Der 3-Euro-Zoll kostet Temu in Frankreich 37 Prozent der aktiven Kunden – und ab 1. November kassiert die EU zusätzlich 2 Euro je Warenposition. Damit schrumpft der Preisvorsprung der China-Plattformen gegenüber Onlinehändlern mit Lager in der EU. AliExpress reagiert bereits: Die Händler dort lagern 146 Prozent mehr Ware im Ausland als vor einem Jahr. Gleichzeitig verkauft TikTok Shop in den USA mehr Kosmetik als Damenmode und überholt in Thailand erstmals Shopee. Der China-Rundumblick dieser Woche fasst die Meldungen zusammen.

Fasse den Artikel im Bullet-Stil zusammen.

3-Euro-Zoll: Temu verliert 37 % der Kunden in Frankreich

Die Cashback-App Joko wertet die Bankdaten von 1,5 Millionen Verbrauchern aus. Laut ihrer aktuellen Studie , über die auch die Wirtschaftszeitung Les Échos und das Portal ENN berichten, verloren die China-Plattformen zwischen Juli und September viele Käufer. Temu büßte 37 Prozent der aktiven Kunden ein, AliExpress und DHgate jeweils 30 Prozent, Shein 23 Prozent. Auch die Stammkundschaft bricht weg. Seit Juni zählt Temu 49 Prozent weniger treue Kunden, DHgate 45 Prozent, AliExpress 40 Prozent und Shein 31 Prozent.

Im September sanken die Umsätze dann erneut. Gegenüber August verlor DHgate 28 Prozent, Shein 26 Prozent, AliExpress 24 Prozent und Temu 19 Prozent. Seit 1. Juli erhebt die EU auf Pakete bis 150 Euro einen pauschalen Zoll von 3 Euro je Warenkategorie . Zum 1. September kam in Frankreich zudem ein Malus für Ultra-Fast-Fashion dazu – bis zu 12 Euro pro Kleidungsstück. Ab 1. November folgt die EU-Bearbeitungsgebühr von 2 Euro je Warenposition , auch für Sendungen über 150 Euro. Allerdings betont Joko, dass der Rückgang bei Temu schon vor dem 3-Euro-Zoll begann.

Europas Top 10: AliExpress drängt eBay auf Platz 4

Cross-Border Commerce Europe (CBCommerce) hat sein Ranking der 100 wichtigsten grenzüberschreitenden Marktplätze in Europa veröffentlicht. Die Top 10 lauten: Amazon, Temu, AliExpress, eBay, Etsy, Vinted, OLX Group, Zalando, AbeBooks und StockX. Trotz 3-Euro-Zoll hält Temu damit Platz 2. Im Vorjahr stand eBay dagegen noch auf Platz 3 hinter Amazon und Temu. Mit Vinted, OLX und Zalando schaffen es nur drei europäische Plattformen unter die ersten zehn.

Die Top 100 kommen 2026 laut Bericht auf ein Handelsvolumen (GMV, Gross Merchandise Value) von 175,8 Milliarden Euro. Davon entfallen 139,8 Milliarden Euro oder 79,5 Prozent auf grenzüberschreitende Verkäufe. Für 2027 rechnet CBCommerce mit rund 190 Milliarden Euro. Das Ranking ist allerdings ein Relevanzindex (eRank): Es gewichtet Cross-Border-Umsatz, SEO-Werte, Länderabdeckung und Besuche aus dem Ausland. Außerdem ist Temu laut seit August 2026 Mitglied im CBCommerce-Netzwerk.

146 % mehr Ware im Ausland: AliExpress bunkert vor dem 11.11.

Die Händler auf AliExpress lagern 146 Prozent mehr Ware in Auslandslagern als vor einem Jahr. Das meldet die Plattform vor dem Shopping-Festival Double 11 (Singles‘ Day am 11. November), wie TMTPost berichtet. Zudem planen die Händler länger voraus: Statt zwei bis drei Monate bereiten sie ihre Bestände jetzt drei bis sechs Monate vor. Als Gründe nennt AliExpress Zölle, strengere Compliance-Vorgaben und steigende Logistikkosten. Laut AliExpress stiegen die Steuern und Gebühren im grenzüberschreitenden Handel mit der EU binnen eines Jahres um fast 70 Prozent.

Außerdem verabschiedet sich AliExpress vom Einheitsmodell für alle Länder. In kleineren Märkten übernehmen KI-gesteuerte Abläufe. In den USA, Brasilien und Australien investiert die Plattform dagegen mehr Geld in Neukunden. Seit September setzt AliExpress in ausgewählten Wachstumsmärkten zudem KI-Agenten ein – nach dem Prinzip „ein Mensch, ein Land“.

AliExpress hat eine globale strategische Partnerschaft mit YouTube geschlossen, wie 36Kr meldet. Die Alibaba-Tochter tritt dem YouTube Shopping Affiliate Program bei. Damit können Creator AliExpress-Produkte in ihren Videos verlinken und erhalten dafür eine Provision. Die Partnerschaft gilt in vier Märkten: Großbritannien, Deutschland, Brasilien und USA. So tauchen AliExpress-Angebote bald auch in deutschen YouTube-Videos mit Kauflink auf.

Top-Seller bei Amazon: UGREEN auf Platz 4 in Deutschland

Marketplace Pulse hat seine Rankings der 100 umsatzstärksten Verkäufer der vergangenen 30 Tage auf Amazon, Etsy und eBay aktualisiert, berichtet ENN . Auf Amazon USA stammen acht der Top 100 aus Festland-China und sieben aus Hongkong. In Frankreich ist der China-Anteil am höchsten: Dort kommen zwölf Top-Seller aus Festland-China und neun aus Hongkong.

Die ersten zehn Plätze belegen allerdings meist lokale Händler. Anker steht auf Amazon USA auf Platz 7. Die Elektronikzubehör-Marke UGREEN belegt in Deutschland und Frankreich Platz 4, in Italien und Spanien sogar Platz 2.

Lippenstift schlägt Bluse: 2,08 Mrd. Dollar Beauty auf TikTok Shop

Beauty und Körperpflege sind die größte Kategorie im US-Geschäft von TikTok Shop. Von Januar bis Juni 2026 setzte die Plattform dort 2,08 Milliarden Dollar (rund 1,86 Milliarden Euro) um, zeigt ein Bericht des Marktforschers Circana, über den ENN berichtet. Damit liegt Kosmetik mehr als 500 Millionen Dollar (rund 447 Millionen Euro) vor Damenmode. Im US-Beauty-E-Commerce landet TikTok Shop auf Platz 3 – hinter reinen Onlinehändlern und Fachhändlern.

Vor allem die Generation X und ältere Millennials kaufen dort Kosmetik. Hispanische und afroamerikanische Haushalte stehen zudem für 36 Prozent der Umsätze.

Thailand: TikTok Shop überholt Shopee – mit 116 % Wachstum

TikTok Shop kam im zweiten Quartal auf 48 Prozent des thailändischen E-Commerce-Volumens mit physischen Waren. Shopee lag dagegen bei 45 Prozent, schätzt das Marktforschungsunternehmen Cube laut Chuhai Network . Damit überholt TikTok Shop den bisherigen Marktführer zum ersten Mal. Im gesamten ersten Halbjahr kamen beide auf je 46 Prozent.

TikTok Shop Thailand erzielte im ersten Halbjahr ein GMV von 9,9 Milliarden Dollar (rund 8,85 Milliarden Euro), ein Plus von 116 Prozent. Shopee kam auf 9,8 Milliarden Dollar (rund 8,76 Milliarden Euro). Die Alibaba-Tochter Lazada fällt dagegen weit zurück.

Shein geht offline: 779 m² Pop-up am Tor zum Amazonas

Shein betrieb vom 23. bis 27. September einen Pop-up-Store im Einkaufszentrum Castanheira in Belém, der Hauptstadt des Bundesstaats Pará. Es war der 15. Pop-up-Laden in Brasilien in knapp fünf Jahren, berichtet Ebrun . Bisher konzentrierte sich Shein auf Städte wie Rio de Janeiro, São Paulo, Salvador und Belo Horizonte. Mit Belém betritt die Plattform erstmals den Norden des Landes.

Auf 779 Quadratmetern zeigte Shein mehr als 12.000 Artikel – Kleidung, Schuhe, Taschen und Accessoires. Für die fünf Tage rechnete das Unternehmen dabei mit rund 15.000 Besuchen.

Fräse auf dem Schreibtisch: CubiFab holt Millionen vor Kickstarter-Start

Der Desktop-CNC-Hersteller Lingju Innovation (Marke CubiFab) hat eine Angel-Runde (frühe Finanzierungsrunde) in zweistelliger Millionenhöhe in Yuan abgeschlossen – umgerechnet mindestens 1,3 Millionen Euro. Das berichtet Jingxi . Investoren sind Nanshan Strategic Emerging Industries Investment und Longhua Capital. Qifu Capital war bereits an der Seed-Runde beteiligt.

Die Maschinen basieren auf x86-Architektur und bündeln KI-Rechenleistung und Echtzeitsteuerung direkt im Gerät. Das erste Produkt CubiFab C1 positioniert der Hersteller als „persönliche CNC-Workstation“: Maker sollen damit Metallteile vom Entwurf bis zum fertigen Bauteil am eigenen Schreibtisch fertigen. Im November 2026 startet dann die Crowdfunding-Kampagne auf Kickstarter.

Nach dem 3-Euro-Zoll: Temu & Co. verlieren ihren Preisvorteil

Die Joko-Zahlen zeigen, wie stark das China-Direktgeschäft am Preis hängt. Mit dem 3-Euro-Zoll je Warenkategorie, dem französischen Malus und ab November 2 Euro Bearbeitungsgebühr je Position verteuert sich jeder gemischte Warenkorb bei Temu, Shein und AliExpress. Gleichzeitig steigen die Bestellwerte: Laut Joko legte der durchschnittliche Warenkorb bei AliExpress um 40 Prozent und bei Temu um 34 Prozent zu. Bei Shein bleibt er dagegen stabil, dort kaufen die Kunden seltener.

Die Plattformen reagieren deshalb mit Ware vor Ort: AliExpress-Händler haben ihre Auslandsbestände mehr als verdoppelt. Onlinehändler in Deutschland gewinnen damit Preisspielraum. Allerdings verlieren sie ihren Vorsprung bei der Lieferzeit, sobald die China-Ware im EU-Lager liegt. Der Paketstrom aus Fernost wird dünner – dafür rückt die Konkurrenz ins Lager nebenan.

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