Der Amazon Kraftstoffzuschlag auf FBA-Versandgebühren steigt zum 2. November 2026 von 1,5 auf 2 Prozent. Das hat Amazon am 19. Oktober 2026 in einer Mitteilung in Seller Central angekündigt. Für den Multi-Channel-Versand (MCF) greift die Erhöhung zwei Wochen später, am 19. November 2026. Betroffen sind alle Onlinehändler, die „Versand durch Amazon“ (FBA) in zehn europäischen Marktplätzen nutzen.

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Von 1,5 auf 2 Prozent: Die Eckdaten der Erhöhung

Amazon begründet den Schritt mit branchenweit weiter gestiegenen Kosten für Kraftstoff und Logistik. Nach eigener Darstellung hat der Konzern diese Kosten „nach Möglichkeit aufgefangen“ und erst im April 2026 einen Zuschlag auf die Versandgebühren eingeführt – ähnlich wie andere große Transportunternehmen. Wegen der anhaltenden Kostensteigerungen werde der Zuschlag nun angepasst.

Die Bemessungsgrundlage bleibt unverändert: Der Zuschlag wird auf die FBA-Versandgebühr (Fulfillment Fee, also die Gebühr für Kommissionierung, Verpackung und Versand einer Einheit) berechnet, nicht auf den Verkaufspreis des Artikels. Lagergebühren, Verkaufsprovisionen und sonstige Gebühren sind nicht betroffen. Amazon beziffert die durchschnittliche Mehrbelastung mit 0,02 Euro beziehungsweise 0,02 Pfund pro Einheit für FBA in der EU. Der tatsächliche Betrag hängt von Größe und Abmessungen des Artikels ab, weil diese die Höhe der Versandgebühr bestimmen.

Zwei Stichtage, zehn Länder: Wer wann betroffen ist

Die Erhöhung tritt gestaffelt in Kraft. Für „Versand durch Amazon“ gilt der neue Satz von 2 Prozent ab dem 2. November 2026 in zehn Marktplätzen: Vereinigtes Königreich, Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien, Polen, Schweden, Niederlande, Irland und Belgien. Für den Multi-Channel-Versand (MCF, also die Abwicklung von Bestellungen aus dem eigenen Shop oder anderen Marktplätzen über Amazons Logistik) folgt die Erhöhung am 19. November 2026 – allerdings nur im Vereinigten Königreich, in Frankreich, Deutschland, Italien und Spanien.

ProgrammStichtagMarktplätzeZuschlag
Versand durch Amazon (FBA)2. November 2026UK, FR, DE, IT, ES, PL, SE, NL, IE, BE2 % (bisher 1,5 %)
Multi-Channel-Versand (MCF)19. November 2026UK, FR, DE, IT, ES2 % (bisher 1,5 %)

Händler mit Lagerbestand in mehreren Ländern – etwa über das Paneuropäische Versandprogramm (PAN-EU) – zahlen den Zuschlag auf jede Versandgebühr, unabhängig davon, aus welchem Logistikzentrum die Ware verschickt wird. Wer FBA nur für den deutschen Marktplatz nutzt, ist ab dem 2. November ebenfalls mit 2 Prozent dabei.

Zwei Cent pro Einheit: Was die Rechnung für dein Sortiment bedeutet

Der Durchschnittswert von 2 Cent verdeckt die Spannbreite. Ein Rechenbeispiel: Bei einer Versandgebühr von 3,50 Euro für einen Artikel in Standardgröße lag der Zuschlag bisher bei 5,25 Cent (1,5 Prozent). Ab November sind es 7 Cent (2 Prozent) – eine Differenz von 1,75 Cent pro Einheit. Bei einer Versandgebühr von 8 Euro für ein sperriges Produkt steigt der Zuschlag von 12 auf 16 Cent. Bei 10.000 versandten Einheiten im Monat summiert sich die Differenz je nach Sortiment auf 175 bis 400 Euro monatlich.

Rechnet man den Zuschlag auf die Einführung im April zurück, zahlen FBA-Händler ab November insgesamt 2 Prozent mehr Versandgebühr als noch im März 2026. Amazon hatte im April die durchschnittliche Belastung des damaligen 1,5-Prozent-Zuschlags mit 5 Cent pro Einheit angegeben. Mit den jetzt genannten 2 Cent zusätzlich liegt die Gesamtbelastung durch den Zuschlag im Schnitt bei rund 7 Cent pro Einheit.

Seit April 2026: Chronik eines „vorübergehenden“ Zuschlags

Der Kraftstoff- und Logistikzuschlag ist kein neues Instrument. Amazon hatte ihn in Europa am 17. April 2026 mit 1,5 Prozent auf FBA-Versandgebühren eingeführt, für MCF folgte der 2. Mai 2026. Hintergrund waren die stark gestiegenen Energiepreise im Frühjahr; t3n zitierte damals eine Amazon-Sprecherin mit der Aussage, man erhebe „vorübergehende Zuschläge“, um die Kosten teilweise auszugleichen, solange diese auf hohem Niveau blieben. In den USA und Kanada liegt der Zuschlag seit April bei 3,5 Prozent.

Einen Vorläufer gab es bereits 2022: Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine führte Amazon in Europa einen „Kraftstoff- und Inflationszuschlag“ von 4,3 Prozent auf die FBA-Gebühren pro Einheit ein, in den USA waren es 5 Prozent. Dieser Zuschlag wurde später nicht gesondert abgeschafft, sondern ging in den regulären Gebührenanpassungen auf. Ein festes Enddatum nennt Amazon auch diesmal nicht. In der aktuellen Mitteilung heißt es lediglich, der Zuschlag werde „im Zuge der weiteren Entwicklung der Lage“ überprüft.

Was Onlinehändler bis zum 2. November prüfen sollten

Amazon hat nach eigenen Angaben die Berichte Gewinnanalyse, Einnahmenrechner sowie Gebühren- und Wirtschaftlichkeitsvorschau in Seller Central aktualisiert. Dort lässt sich der neue Zuschlag sowohl pro Einheit als auch als Gesamtwirkung auf das FBA-Sortiment ablesen. Händler sollten diese Zahlen vor dem Stichtag mit ihrer eigenen Kalkulation abgleichen, insbesondere bei margenschwachen Artikeln in Standardgröße, bei denen Versandgebühr und Provision zusammen bereits 25 bis 35 Prozent des Verkaufspreises ausmachen.

Wer MCF nutzt, muss zusätzlich die Kalkulation für Bestellungen aus dem eigenen Shop, von eBay oder anderen Marktplätzen anpassen. Hier fehlt häufig die automatische Gebührenvorschau, die Amazon für den eigenen Marktplatz bietet. Der Stichtag 19. November fällt zudem mitten in die Vorbereitung auf Black Friday (27. November 2026) und das Weihnachtsgeschäft, in dem die Versandvolumina am höchsten sind. Preisänderungen, die den Zuschlag ausgleichen sollen, sollten daher vor dem Beginn der Aktionsphasen umgesetzt sein, weil Amazon während laufender Deals und Preisaktionen Preisänderungen einschränkt.

Der Zuschlag wird zur Dauergebühr?

Mit der zweiten Anpassung innerhalb von sieben Monaten verschiebt sich der Charakter des Zuschlags. Ein als vorübergehend eingeführtes Instrument wird nicht zurückgenommen, sondern erhöht, und zwar ohne feste Laufzeit und ohne Obergrenze. Andere Paketdienste wie UPS und FedEx arbeiten seit Jahren mit indexbasierten Kraftstoffzuschlägen, die wöchentlich an die Dieselpreise gekoppelt sind und automatisch sinken, wenn die Preise fallen. Amazons Zuschlag kennt diesen Mechanismus nicht; die Anpassung erfolgt nach eigenem Ermessen.

Für die Gebührenplanung 2027 heißt das: Händler sollten die 2 Prozent als festen Bestandteil der FBA-Kosten einrechnen und nicht auf eine Rücknahme spekulieren. Die Erfahrung aus 2022 zeigt, dass Amazon solche Zuschläge nicht gesondert streicht, sondern in die nächste reguläre Gebührenrunde überführt. Die nächste Anpassung der europäischen FBA-Gebühren kündigt Amazon üblicherweise im Dezember für das Folgejahr an.

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