Der easyShop Marktplatz ist seit dem 13. Oktober 2026 in 21 europäischen Ländern erreichbar, darunter Deutschland, Österreich und die Schweiz. Hinter der Marke steht Sir Stelios Haji-Ioannou, Gründer von easyJet; die Technik liefert der britische Marktplatzbetreiber OnBuy über seine Plattform OnCommerce. Für Onlinehändler stellen sich sechs Fragen: Welche Warenwirtschaft lässt sich anbinden, wie läuft die Registrierung, gibt es eine API, wer ist die Zielkundschaft, wie groß ist die Reichweite und lässt sich dort rechtssicher verkaufen? Dieser Beitrag beantwortet sie anhand der öffentlich verfügbaren Dokumentation von OnCommerce, der easyShop-Website und externer Marktdaten. Wie RetailDetail berichtet , verkaufen zum Start „Hunderte Händler“ auf der Plattform.

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Die easyShop-Technik ist ein umbenanntes OnBuy

easyShop hält kein eigenes Lager, verkauft keine Eigenmarken und tritt nach eigener Aussage nicht gegen die angeschlossenen Händler an. Die Marke lizenziert die easyGroup; Betreiber ist OnBuy Ltd (London) beziehungsweise für den EU-Raum OnBuy (EU) Ltd mit Sitz in Dublin. Beide firmieren unter dem Dach OnCommerce, das neben OnBuy und easyShop auch den für 2026 angekündigten britischen Elektronik-Marktplatz Comet betreibt. Die Ankündigung des Projekts erfolgte am 3. Juni 2026 per Pressemitteilung von easyGroup .

Technisch ist easyShop damit kein neuer Marktplatz, sondern eine zweite Verkaufsfront auf der bestehenden OnBuy-Infrastruktur. Wer bereits bei OnBuy listet, erscheint laut OnCommerce automatisch auch auf easyShop, ohne gesonderten Antrag. Das Impressum der deutschen easyShop-Seite nennt OnBuy (EU) Ltd mit irischer Handelsregisternummer 764002, als Umsatzsteuer-Identifikationsnummer jedoch eine britische Nummer (GB 473 016 018). wortfilter.de hat OnBuy bereits im Frühjahr 2026 im Detail vorgestellt .

Registrierung: 50 Bewertungen mit 4,5 Sternen sind Eintrittskarte

Händler registrieren sich nicht bei easyShop selbst, sondern legen ein OnCommerce-Konto über das OnBuy-Seller-Portal an (oncommerce.com/sell ). Ein Konto deckt alle drei Marken ab. Die easyShop-Website selbst bietet nur ein Formular zur Interessensbekundung. Der Prozess läuft in vier Schritten: Formular ausfüllen (laut Anbieter unter zehn Minuten), Verifizierung mit Ausweis eines Geschäftsführers, Handelsregisterauszug, Kontoauszug der letzten drei Monate und Umsatzsteuerdaten, dann Produkte anlegen, dann Länder wählen und starten.

Die Zulassungshürde ist ungewöhnlich: OnCommerce verlangt laut FAQ der easyShop-Händlerseite einen Link zu einer bestehenden Verkaufsplattform mit mindestens 50 Bewertungen und einer Wertung zwischen 4,5 und 5 Sternen. Neueinsteiger ohne Marktplatz-Historie sind damit ausgeschlossen. Zudem muss jedes Produkt einen Barcode (EAN, UPC oder ISBN) tragen; Gebrauchtware ist nicht zugelassen. Neue Konten starten mit 2.500 Listings, die Grenze steigt mit dem Umsatz. Für jedes Zielland ist eine Rücksendelösung Pflicht, entweder eine lokale Adresse, Freepost oder ein Abholservice. Auszahlungen erfolgen etwa sieben Tage nach dem erwarteten Lieferfenster.

Gebühren: 29 Euro Grundgebühr plus 7 bis 20 Prozent Provision

Das Gebührenmodell besteht aus einem Monatsabo und einer kategorieabhängigen Verkaufsprovision, die auf den Gesamtpreis inklusive Versandkosten berechnet wird. Die drei Pakete kosten laut Preisliste von OnCommerce 29 Euro (Standard), 79 Euro (Partner, regulär 129 Pfund) und 299 Euro (Professional, regulär 499 Pfund) pro Monat; die Rabatte gelten bis Januar 2027. Listinggebühren fallen nicht an, die Laufzeit beträgt 30 Tage ohne Mindestvertragsdauer. Alle 21 Länder sind in jedem Paket enthalten.

Die Standardprovision liegt bei 15 Prozent. Abweichungen: 7 Prozent für Unterhaltungselektronik und Weißeware, 8 Prozent für Spielkonsolen, 10 Prozent für Alkohol, 13 Prozent für Werkzeug und 20 Prozent für Schmuck. Die Mindestgebühr pro Verkauf beträgt 0,30 Euro. Bei Erstattungen behält OnCommerce 20 Prozent des Bestellwerts ein, gedeckelt auf 6 Euro. Eine Streitfallgebühr kostet 8 Euro, ein Chargeback (Rückbuchung durch den Zahlungsanbieter) 17 Euro. Alle Beträge verstehen sich zuzüglich Umsatzsteuer.

Schnittstellen: PlentyONE ja, JTL und Billbee nicht gelistet

OnCommerce nennt auf seiner Händlerseite neun Integrationspartner: Linnworks, ChannelEngine, Rithum (ehemals ChannelAdvisor), Octopia, Shopify, Magento, PrestaShop, PlentyONE (ehemals plentymarkets) und Base. Darüber hinaus bietet der Feed-Dienstleister Koongo einen OnBuy-Connector an, der die Anbindung auch für easyShop abdeckt, und die iPaaS-Plattform Patchworks stellt einen vorgefertigten OnBuy-Konnektor bereit. Für den deutschen Markt relevant ist vor allem PlentyONE als einziges deutsches ERP-System in der offiziellen Liste.

JTL-Wawi, Billbee, Afterbuy, magnalister, Xentral und weclapp tauchen in der Dokumentation von OnCommerce nicht auf. Eine Anbindung ist für diese Systeme nur über die API oder über einen Channel-Manager wie ChannelEngine als Zwischenschicht möglich. Händler, die ausschließlich mit JTL oder Billbee arbeiten, müssen also einen zusätzlichen Dienstleister einplanen oder Bestellungen manuell über das Seller Control Panel abwickeln.

API vorhanden, Entwicklerprogramm nicht

Eine REST-API existiert; der Zugang ist bereits im Standard-Paket für 29 Euro enthalten. Die Dokumentation (OnBuy API v2) ist öffentlich als Postman-Collection einsehbar. Händler erhalten im Seller Control Panel unter „Inventory → Integrations → OnBuy API“ je ein Test- und ein Live-Schlüsselpaar (Consumer Key und Secret Key). Mit diesen wird ein zeitlich begrenztes Access Token angefordert, das bei jedem Aufruf als Authorization-Header mitgesendet wird. Die API deckt Produkte, Listings, Bestellungen, Kategorien, Marken, Lieferprofile, Provisionssätze und eine Warteschlange für Massenverarbeitung ab. Das Anlegen neuer Produkte erfolgt zweistufig: Erst erstellt der Händler das Produkt per Live-Key, dann muss es im Panel unter „Approve Products“ freigegeben werden.

Ein Entwicklerprogramm im Sinne von Amazon SP-API, eBay Developer Program oder Otto Partner Connect gibt es nicht. Es existiert kein separates Entwicklerportal, keine App-Registrierung für Drittanbieter und kein Marketplace für Apps. Softwareanbieter, die eine Integration bauen wollen, verweist OnCommerce auf ein Kontaktformular („I want to discuss an integration or partnership“). Auf GitHub findet sich ein inoffizielles PHP-SDK (dominicwatts/onbuysdk), das zuletzt 2022 aktualisiert wurde. Eine easyShop-spezifische API gibt es nicht; alle Marken laufen über dieselben OnBuy-Endpunkte.

Zielkundschaft: Preiskäufer mit Cashback-Erwartung

Käuferseite

easyShop positioniert sich wie die übrigen easy-Marken über Preis und Einfachheit. Die Käuferansprache stützt sich auf kostenlose Lieferung für „Millionen Artikel“, ein Bonusprogramm namens easyShop Plus (Punkte pro Einkauf), Ratenzahlung über Klarna und einen eigenen Käuferschutz. Das Sortiment zum Start ist elektroniklastig: Die Startseite der deutschen Version listet Samsung-Smartphones, Nintendo Switch, Steam Deck und Kameras. Bei OnBuy stammen laut GS1 UK 65 Prozent des Traffics aus Großbritannien, das Publikum ist mit 52 zu 48 Prozent nahezu ausgeglichen zwischen Männern und Frauen.

Händlerseite

Als Verkäufer adressiert OnCommerce etablierte Marktplatzhändler, Markenhersteller, Distributoren und Reseller, ausdrücklich auch außerhalb Europas. Die Bewertungspflicht von 50 Rezensionen auf einer anderen Plattform zeigt, dass easyShop Händler sucht, die bereits auf Amazon oder eBay aktiv sind und ihr Sortiment ohne großen Mehraufwand ausrollen. Der Anbieter wirbt damit, dass keine Niederlassung in jedem Zielland nötig sei und die Umsatzsteuer automatisch berechnet werde. Eine Umsatzsteuer-Registrierung im Zielland ist laut FAQ nur nötig, wenn der Händler dort sitzt oder von dort versendet, was die EU-OSS-Regelung (One-Stop-Shop) widerspiegelt.

Reichweite: 197 Millionen Dollar GMV bei OnBuy, Deutschland bei 8,5 Prozent

Händlerzahlen für easyShop selbst veröffentlicht OnCommerce nicht; RetailDetail spricht von „Hunderten“ Händlern zum Start. Belastbarer sind die Zahlen der Mutterplattform OnBuy. Der Datenanbieter ECDB beziffert das Bruttowarenvolumen (GMV, Gross Merchandise Value) für 2025 auf 197 Millionen US-Dollar bei einer Konversionsrate von 3 bis 3,5 Prozent; OnBuy selbst nennt 200 Millionen Dollar und prognostiziert 40 Prozent Wachstum für 2026. Der Dezember 2025 brachte 19 Millionen Pfund Umsatz. OnCommerce gibt netzwerkweit 140 Millionen Kunden, 100 Millionen Produkte und 43 Kanäle in 21 Ländern an; wie sich diese Kundenzahl berechnet, legt das Unternehmen nicht offen.

Für den deutschen Markt ist die Datenlage dünner. Nach Angaben von OnBuy stammten Anfang 2026 rund 8,5 Prozent des Gesamttraffics aus Deutschland, bei 4,5 Millionen Besuchern monatlich entspricht das etwa 380.000 Besuchen. Die 20 europäischen Marktplätze außerhalb Großbritanniens sollen in neun Monaten zusammen 50 Millionen Pfund GMV erwirtschaftet haben. Großbritannien bleibt damit das einzige Land, in dem die Plattform messbare Marktanteile hält. Auf Trustpilot liegt OnBuy.com bei 4,4 von 5 Sternen aus über 134.000 Bewertungen, wobei die deutschsprachigen Rezensionen auffällig häufig fehlende Kontaktmöglichkeiten zum Marktplatz und Probleme mit Rückerstattungen beschreiben.

Rechtssicherheit: Hongkong-Händler ohne Widerrufsbelehrung, GPSR-Felder leer

Eine Stichprobe auf easyshop.com/de am 14. Oktober 2026 zeigt, wie die Plattform mit deutschen Informationspflichten umgeht. Das beworbene Samsung Galaxy S25 für 604,99 Euro verkauft der Händler „Wee Trading“. Dessen Händlerprofil nennt als rechtlichen Namen LWHUK Limited mit Sitz in Kowloon, Hongkong, und eine Handelsregisternummer. Es fehlen E-Mail-Adresse, Telefonnummer, Umsatzsteuer-Identifikationsnummer, Widerrufsbelehrung und Muster-Widerrufsformular, die § 312d BGB in Verbindung mit Art. 246a EGBGB für Fernabsatzverträge mit Verbrauchern vorschreiben. Die Händlerbeschreibung enthält zudem unverarbeitete HTML-Entitäten wie „höchster“. Der Hinweis „Geschäftsadressen dienen ausschließlich Informationszwecken und sind nicht für Rücksendungen bestimmt“ steht direkt unter der Adresse.

Die Produktseite enthält einen Abschnitt „Produkt- und Sicherheitsinformationen“ mit Feldern für Herstellerinformationen und die verantwortliche Person in der EU, wie sie Art. 19 der Produktsicherheitsverordnung (GPSR, EU 2023/988) seit Dezember 2024 verlangt. Diese Felder sind beim geprüften Produkt leer; die Seite zeigt den Text „Leider sind diese Informationen im Moment nicht verfügbar“. Die AGB der deutschen Seite sind ein eingebettetes englischsprachiges PDF („Website Terms of Use“). Das Impressum verweist für Streitfälle auf die EU-Plattform zur Online-Streitbeilegung, die die Kommission am 20. Juli 2025 abgeschaltet hat. Ein Händler hatte bereits im September 2025 fehlende Felder für AGB, Impressum, Widerruf, Grundpreise und GPSR-Angaben bei OnBuy moniert.

Für deutsche Onlinehändler folgt daraus: Die Plattform stellt die Infrastruktur für rechtskonforme Angebote nur teilweise bereit. Herstellerangaben und EU-Verantwortlicher lassen sich hinterlegen, eine Widerrufsbelehrung, ein vollständiges Impressum nach § 5 DDG und Grundpreisangaben nach § 4 PAngV dagegen nicht an der dafür vorgesehenen Stelle. Wer die fehlenden Angaben in das Freitextfeld „Über uns“ des Händlerprofils einträgt, erfüllt die Pflichten formal, bleibt aber für Mitbewerber und Abmahnvereine angreifbar, solange die Belehrung nicht vor Vertragsschluss im Bestellprozess erscheint. Die Haftung für fehlende Pflichtangaben trägt der Händler, nicht der Marktplatz.

Einordnung: Ein britischer Marktplatz mit europäischem Anstrich

easyShop ist aus Händlersicht ein zusätzlicher Vertriebskanal auf einer Plattform, deren Umsatz zu zwei Dritteln aus Großbritannien stammt. Das Gebührenmodell liegt mit 29 Euro Grundgebühr und 7 bis 15 Prozent Provision im Bereich von Amazon und Kaufland; die Rückerstattungsgebühr von 20 Prozent ist marktunüblich und sollte in der Kalkulation berücksichtigt werden. Die technische Anbindung ist für PlentyONE- und Shopify-Händler dokumentiert, für JTL- und Billbee-Nutzer nur über Umwege möglich.

Die offene Frage bleibt die Nachfrage: 8,5 Prozent deutscher Traffic-Anteil bei OnBuy entsprechen einer Größenordnung, die kleine Nischenmarktplätze erreichen. Ob die easy-Marke in Deutschland, wo easyJet zwar bekannt ist, die easy-Markenfamilie aber keine Rolle spielt, eigene Nachfrage erzeugt, lässt sich erst nach dem Weihnachtsgeschäft 2026 beurteilen. Bis dahin verkaufen deutsche Händler auf easyShop in erster Linie an britische Kunden und konkurrieren dort mit Anbietern aus Hongkong, die deutsche Informationspflichten nicht erfüllen. Und das GMV ist nahezu unbedeutend.

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