Homeoffice zurückgefahren – das gilt inzwischen für mehr als jedes zweite Unternehmen in Deutschland. 56 Prozent haben ihre Regeln seit der Corona-Hochphase reduziert oder ganz abgeschafft, zeigt eine neue Bitkom-Umfrage unter 603 Unternehmen. Weitere 38 Prozent planen in den nächsten zwei Jahren den nächsten Schnitt. Gleichzeitig räumen 63 Prozent ein, dass sie ohne Homeoffice schwerer gutes Personal finden. Für Onlinehändler, die um Fachkräfte im Kundenservice, im Marketing und in der IT konkurrieren, wird das zum Dilemma.

Fasse den Artikel im Bullet-Stil zusammen.

Jedes zweite Unternehmen kassiert Homeoffice wieder ein

Der Digitalverband Bitkom hat zwischen Ende August und Ende September 2026 (KW 35 bis 39) 603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten telefonisch befragen lassen. 39 Prozent haben ihre Homeoffice-Möglichkeiten seit der Pandemie-Hochphase vor fünf Jahren reduziert, 17 Prozent haben sie komplett gestrichen. Zusammen sind das 56 Prozent. 29 Prozent haben nichts verändert, 14 Prozent haben Homeoffice ausgeweitet oder neu eingeführt.

Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder sieht darin keine Überraschung: Während der Pandemie sei Homeoffice in vielen Unternehmen Pflicht gewesen, heute gehe es um ein Modell, das im Alltag funktioniert. Aktuell ermöglichen 54 Prozent der Unternehmen mobiles Arbeiten oder Homeoffice. 77 Prozent beschäftigen Menschen, deren Tätigkeit sich grundsätzlich von zu Hause erledigen lässt. Zwischen Möglichkeit und Angebot liegen damit 23 Prozentpunkte.

Große Firmen lassen die Leine lang, kleine ziehen sie kurz

Wie viel Freiheit Beschäftigte bekommen, hängt stark von der Unternehmensgröße ab. Flexible Regelungen ohne feste Homeoffice-Tage gibt es bei 28 Prozent der Unternehmen mit 20 bis 99 Beschäftigten. Bei 100 bis 499 Beschäftigten sind es 34 Prozent, ab 500 Beschäftigten 41 Prozent. Je größer die Firma, desto seltener schreibt sie feste Tage vor.

Unter den Unternehmen, die mobiles Arbeiten anbieten, lassen 29 Prozent ihre Beschäftigten selbst entscheiden, an welchen Tagen sie zu Hause arbeiten. 17 Prozent erlauben mehrere Homeoffice-Tage pro Woche, 20 Prozent einen Tag pro Woche. 3 Prozent erlauben Homeoffice seltener als einmal wöchentlich. Zu den übrigen 31 Prozent macht Bitkom keine Angaben.

Familie ja, Zusammenhalt nein – wo die Chefs zweifeln

Die Unternehmen bewerten Homeoffice gespalten. 71 Prozent sehen eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. 63 Prozent sagen, ohne Homeoffice sei es schwieriger, gute Mitarbeitende zu finden. 39 Prozent sind der Meinung, im Homeoffice werde in der Regel produktiver gearbeitet.

Auf der Gegenseite befürchten 65 Prozent einen Verlust des Zusammenhalts im Unternehmen. 60 Prozent glauben, Homeoffice erschwere die Integration neuer Beschäftigter. Rohleder fasst die Lage so zusammen: „Entscheidend ist deshalb die richtige Balance“. Eine Aussage dazu, wie Unternehmen die Leistung im Homeoffice messen, enthält die Umfrage nicht.

38 Prozent planen den nächsten Schnitt

Der Trend zeigt weiter nach unten. Für die nächsten zwei Jahre wollen 55 Prozent der Unternehmen ihre bestehenden Regelungen unverändert fortführen. 35 Prozent planen eine Reduzierung, 3 Prozent die vollständige Abschaffung. Nur 3 Prozent wollen Homeoffice ausweiten.

Rechnet man die Gruppen zusammen, stehen 38 Prozent mit Kürzungsplänen gegen 3 Prozent mit Ausbauplänen. Die Befragung ist laut Bitkom repräsentativ für Unternehmen ab 20 Beschäftigten in Deutschland. Kleinere Betriebe unter 20 Beschäftigten, zu denen viele Onlinehändler zählen, sind nicht erfasst.

Kein Homeoffice, keine Bewerber – die Rechnung für Onlinehändler

Onlinehändler beschäftigen überwiegend Menschen, deren Arbeit sich von zu Hause erledigen lässt: Kundenservice, Content, Marketplace-Management, Marketing, Buchhaltung und IT. Nur Lager, Kommissionierung und Versand sind an den Standort gebunden. Im Wettbewerb um diese Fachkräfte treten kleine Händler gegen Konzerne an, die mit 41 Prozent fast doppelt so häufig flexible Regelungen anbieten wie Unternehmen mit 20 bis 99 Beschäftigten.

Das Recruiting-Argument wiegt dabei schwer. 63 Prozent der befragten Unternehmen bestätigen, dass sie ohne Homeoffice schwerer gutes Personal finden. Wer Homeoffice streicht, verkleinert seinen Bewerberpool auf den Pendelradius. Wer es behält, kann bundesweit einstellen und spart Bürofläche. Beide Effekte lassen sich beziffern, bevor du über eine Rückholaktion entscheidest.

Kommentar: Wer Homeoffice streicht, zahlt doppelt

Die Bitkom-Zahlen sind schade. Homeoffice war eine gute Sache und ist es nach wie vor. Es ist eine fortschrittliche Arbeitsform. Unternehmer sparen Büroflächen, Energie, Ausstattung und Parkplätze. Mitarbeiter sparen Pendelzeit, Fahrtkosten und Nerven. Beide Seiten gewinnen Zeit, die im Büro verloren geht.

Die Schwachstelle liegt woanders. Wir haben in fünf Jahren kaum die Kurve bekommen, die Leistung von Mitarbeitern nachhaltig zu messen. Viele Unternehmen zählen immer noch Anwesenheit statt Ergebnisse. Die Rückkehr ins Büro löst dieses Messproblem nicht, sie versteckt es nur hinter einer Stechuhr. Der Autor bleibt jedenfalls ein Fan von Homeoffice. Wer es abschafft, zahlt zweimal: einmal für die Bürofläche und einmal für die Bewerber, die nicht mehr kommen.

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