Der zweite JTL-Hosting Ausfall innerhalb von drei Wochen hat am Sonntag wieder Shops lahmgelegt – und wieder am Wochenende, wenn der JTL-Support nicht arbeitet. Der Hamburger Uhrenteile-Großhändler Ernst Westphal e. K. war mit seinem Shop watchparts24.de von Sonntag, 10 Uhr, bis Montag, 5 Uhr, nicht erreichbar. JTL bestätigt die Störung gegenüber dem Händler und nennt als Ursache einen Hardware-Defekt im Rechenzentrum. Auf der offiziellen Statusseite von JTL-Hosting steht dagegen bis heute: „Aktuell keine Störung.“

Fasse den Artikel im Bullet-Stil zusammen.

Sonntag, 10 Uhr: Shop weg – Antwort erst am Montag

Thomas Krim von Ernst Westphal schildert den Ablauf gegenüber Wortfilter so: Der Shop ging am Sonntag, 25. Oktober 2026, gegen 10 Uhr offline. Um 18 Uhr meldete der Händler über das JTL-Kundencenter eine Hosting-Störung (Meldung „außerhalb der Geschäftszeiten“) und eröffnete zusätzlich ein Ticket. Da war der Shop bereits rund acht Stunden nicht erreichbar.

Eine Rückmeldung von JTL kam erst am Montagmorgen. Nach Angaben des Händlers war der Shop ab etwa 5 Uhr wieder online – nach rund 19 Stunden Ausfallzeit. Den Umsatzverlust beziffert Krim gegenüber Wortfilter auf einen vierstelligen Betrag. Ernst Westphal ist seit 1898 Fachgroßhandel für Uhrmacherbedarf und Chronometrie.

Zweiter Totalausfall in drei Wochen – diesmal ein ganzes Wochenende

Der Ausfall vom Sonntag ist nicht der erste. Bereits vom Samstag, 3. Oktober 2026, bis zum Montagvormittag, 5. Oktober 2026, war derselbe Shop laut Händler offline – fast zwei volle Tage. Krim meldete nach eigenen Angaben über das Kundencenter mehrfach Hosting-Störungen und eröffnete drei Tickets. Eine Reaktion über das Wochenende blieb aus.

Beide Ausfälle fallen auf Wochenenden. Der JTL-Support bearbeitet Tickets nach eigener Aussage nur zu den Servicezeiten, also am folgenden Werktag. Wer am Samstagvormittag offline geht, wartet im schlechtesten Fall bis Montag auf die erste Antwort – unabhängig davon, ob die Technik im Hintergrund bereits arbeitet.

JTL: „Hardware-Defekt im Rechenzentrum“ – Händler widerspricht beim Zeitpunkt

In der Antwort an den Händler, die Wortfilter vorliegt, erklärt der JTL-Support den Ausfall mit einem Hardware-Defekt an einer zentralen Netzwerkverbindung im Rechenzentrum. Den Fehler habe nur der Rechenzentrumsbetreiber beheben können. Das Monitoring habe die Störung am Sonntag erkannt, das Team habe am Sonntag an der Eingrenzung der Ursache gearbeitet. Bis zur Reparatur habe JTL die betroffenen Shops „auf einen alternativen Cache umgestellt, damit sie wieder normal erreichbar sind“. Die Reparatur sei inzwischen abgeschlossen, der Shop laufe wieder auf der ursprünglichen Konfiguration. JTL entschuldigt sich in der Mail für „die Unannehmlichkeiten und den entstandenen Umsatzausfall“.

Der Händler widerspricht in einem Punkt: Der Shop sei für ihn erkennbar erst am Montag gegen 5 Uhr wieder online gewesen. Wenn die Umstellung auf den alternativen Cache am Sonntag griff, kam sie bei watchparts24.de nicht an. JTL schreibt zudem von „betroffenen Shops“ im Plural. Wie viele Händler der Ausfall traf, nennt das Unternehmen in der Antwort nicht.

Statusseite meldet „keine Störung“ – bis heute

JTL betreibt eine eigene Statusseite für JTL-Hosting , auf die auch die Entwicklerdokumentation verweist. Dort steht am Dienstagmorgen, 27. Oktober 2026: „Störungen: Aktuell keine Störung. Wartungsarbeiten: Aktuell finden keine Wartungsarbeiten statt.“ Eine Historie vergangener Vorfälle gibt es auf der Seite nicht. Laut Metadaten wurde sie zuletzt am 12. Oktober 2026 geändert – also weder am Wochenende des Ausfalls noch danach.

Damit fehlt JTL-Hosting-Kunden die einzige Stelle, an der sie am Sonntag hätten nachsehen können, ob das Problem bei ihnen oder bei JTL liegt. Der Händler erfuhr die Ursache erst am Montagnachmittag per Ticket-Antwort – nachdem er nachgefragt hatte, warum niemand reagiert.

Wer am Wochenende offline geht, zahlt allein – das kannst du jetzt tun

Prüfe deinen Hosting-Vertrag mit JTL auf drei Punkte: zugesicherte Verfügbarkeit (SLA, Service Level Agreement), Reaktionszeiten außerhalb der Geschäftszeiten und Regelungen zur Gutschrift bei Ausfällen. Fehlt eine Verfügbarkeitszusage, hast du bei Ausfällen in der Regel nur die allgemeinen Gewährleistungsrechte – ein Umsatzausfall ist dann schwer durchzusetzen.

Richte ein eigenes, externes Monitoring ein, das deinen Shop im Minutentakt aufruft und dich per SMS oder Push alarmiert. Solche Dienste kosten wenige Euro im Monat und melden dir den Ausfall, bevor es der erste Kunde tut. Dokumentiere jeden Ausfall mit Zeitstempeln und Screenshots, melde ihn sofort über das Kundencenter und beziffere den Schaden. Nur mit dieser Dokumentation kannst du später Gutschriften oder Schadensersatz verlangen.

Der Ausfall trifft JTL mitten in der Vertrauenskrise

Thomas Krim ist kein unbeteiligter Beobachter. Er hat in der vergangenen Woche eine Initiative gestartet, per Crowd einen Open-Source-Nachfolger für JTL-Wawi zu bauen – Wortfilter hat darüber berichtet. Die beiden Hosting-Ausfälle liefern seiner Initiative das Argument, das sie brauchte: Händler, die ihre gesamte Infrastruktur bei einem Anbieter bündeln, stehen bei dessen Ausfall komplett still.

JTL wirbt für sein Hosting mit dem Rundum-Paket aus einer Hand. Zwei Wochenend-Ausfälle, ein Support, der erst montags antwortet, und eine Statusseite, die „keine Störung“ meldet, während Shops offline sind – das ist die Bilanz des Oktobers 2026. Ein Hosting, das am Wochenende niemand erklärt, ist für Onlinehändler ein Risiko mit monatlicher Rechnung.

Melde dich zum wöchentlichen Newsletter an!