Die Kaufkraft Europa 2026 liegt im Durchschnitt bei 21.153 Euro pro Kopf. Das geht aus der Studie „NIQ Kaufkraft Europa 2026″ hervor, die NIQ Geomarketing (ehemals GfK Geomarketing) am 29. Oktober 2026 veröffentlicht hat. Gegenüber dem revidierten Vorjahreswert von 20.291 Euro entspricht das einem nominalen Plus von 4,4 Prozent. Insgesamt verfügen die 686 Millionen Einwohner der 42 untersuchten Länder über rund 14,5 Billionen Euro. Deutschland liegt mit 31.193 Euro pro Kopf auf Rang 9 und damit 47,5 Prozent über dem europäischen Mittel.

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14,5 Billionen Euro: Was die Zahl misst und was nicht

NIQ definiert Kaufkraft als das verfügbare Nettoeinkommen der Bevölkerung nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben, inklusive staatlicher Transferleistungen (etwa Renten, Kindergeld, Arbeitslosengeld). Die Werte werden pro Kopf und Jahr in Euro sowie als Index ausgewiesen, bei dem der europäische Durchschnitt 100 entspricht. Grundlage sind gemeldete Einkommensdaten, Statistiken zu staatlichen Leistungen und Konjunkturprognosen von Wirtschaftsforschungsinstituten.

Die Studie weist nominale Werte aus. Das heißt: Die Zahlen sind nicht inflationsbereinigt. Ein Plus von 4,4 Prozent sagt daher nichts darüber aus, ob Verbraucher real mehr Waren kaufen können als im Vorjahr. Für Länder außerhalb der Eurozone rechnet NIQ mit den Wechselkursprognosen der EU-Kommission vom 21. Mai 2026. Die Daten liegen für alle 42 Länder bis auf Gemeinde- und Postleitzahlebene vor.

Liechtenstein beim 3,7-Fachen, Ukraine bei 16 Prozent des Schnitts

Liechtenstein führt das Ranking wie in den Vorjahren mit 78.520 Euro pro Kopf an, das 3,7-Fache des europäischen Durchschnitts. Auf Rang 2 folgt die Schweiz mit 54.730 Euro (Index 258,7), auf Rang 3 Island mit 44.692 Euro (Index 211,3). Island und Luxemburg (43.840 Euro) haben die Plätze getauscht. Am unteren Ende steht die Ukraine mit 3.456 Euro pro Kopf, das sind rund 16 Prozent des Mittelwerts. Davor liegen Kosovo und Moldau.

Von den 42 Ländern liegen 17 über dem europäischen Durchschnitt, 25 darunter. Die Top 10 im Überblick:

Rang 2026 (Vorjahr)LandKaufkraft pro Kopf 2026Index (Europa = 100)
1 (1)Liechtenstein78.520 €371,2
2 (2)Schweiz54.730 €258,7
3 (4)Island44.692 €211,3
4 (3)Luxemburg43.840 €207,2
5 (10)Norwegen35.947 €169,9
6 (5)Dänemark34.344 €162,4
7 (7)Irland31.930 €150,9
8 (8)Österreich31.454 €148,7
9 (9)Deutschland31.193 €147,5
10 (6)Vereinigtes Königreich29.921 €141,4
Europa gesamt21.153 €100,0
Quelle: NIQ Kaufkraft Europa 2026

Norwegen springt fünf Plätze, Großbritannien fällt vier

Die größte Bewegung im Ranking verzeichnet Norwegen: Das Land rückt von Rang 10 auf Rang 5 vor und erreicht 35.947 Euro pro Kopf. Das Vereinigte Königreich fällt im Gegenzug von Rang 6 auf Rang 10 (29.921 Euro), Dänemark von Rang 5 auf Rang 6. Carsten Buchart, Geomarketing-Experte bei NIQ, führt an, dass viele Märkte in Mittel- und Südosteuropa dynamischer wachsen als weite Teile Westeuropas, die westeuropäischen Märkte aber wegen ihres Kaufkraftniveaus und ihrer Größe die wichtigsten Konsummärkte bleiben.

Unterhalb der Top 10 verbessert sich Ungarn von Rang 30 auf Rang 27 mit 15.105 Euro pro Kopf. Tschechien gewinnt zwei Positionen und liegt mit 17.785 Euro auf Rang 21. Im deutschsprachigen Raum liegen Österreich (31.454 Euro) und Deutschland (31.193 Euro) 261 Euro auseinander; die Schweiz hat mit 54.730 Euro rund 75 Prozent mehr Kaufkraft pro Kopf als beide.

Bukarest hat das Doppelte, Berlin liegt unter dem Bundesschnitt

In vielen Ländern konzentriert sich die Kaufkraft in den Hauptstadtregionen. Am stärksten ist der Effekt in Rumänien: Der Landesdurchschnitt liegt bei 11.283 Euro, die Region Bukarest erreicht 22.941 Euro pro Kopf, mehr als das Doppelte. Paris übertrifft den französischen Schnitt mit 46.366 Euro um rund 80 Prozent. Bratislava, Sofia, Prag, Budapest und Lissabon liegen jeweils mindestens 25 Prozent über ihrem nationalen Mittelwert.

Berlin bildet eine Ausnahme: Mit 30.178 Euro pro Kopf liegt die Hauptstadt mehr als 1.000 Euro unter dem deutschen Durchschnitt von 31.193 Euro. In Brüssel ist der Abstand noch größer, dort liegt die Kaufkraft rund 10 Prozent unter dem belgischen Landeswert.

396 Milliarden Euro: Île-de-France ist Europas größter Einzelmarkt

Beim Gesamtvolumen führt die Pariser Region Île-de-France mit rund 396 Milliarden Euro Kaufkraft. Es folgen die Lombardei mit 272 Milliarden Euro und die Metropolregion Istanbul mit 227 Milliarden Euro. Île-de-France und die Lombardei verbinden große Bevölkerungszahlen mit einer Pro-Kopf-Kaufkraft von deutlich über 25.000 Euro.

Istanbul erreicht ein vergleichbares Marktvolumen allein über die Einwohnerzahl: Die Pro-Kopf-Kaufkraft liegt dort bei 14.411 Euro, rund zwei Drittel des europäischen Durchschnitts. Die vollständige Pressemitteilung mit Methodik und Datenbasis stellt NIQ als PDF bereit.

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