Die nächste Insolvenz bei The Platform Group (TPG): Die BCR Online-Warenhandels GmbH, bis vor wenigen Wochen noch die fashionette GmbH, hat beim Amtsgericht Offenbach am Main Insolvenzantrag gestellt. Erst am 13. Oktober hatte TPG-Chef Dominik Benner die Gesellschaft verkauft, keine drei Wochen später ist sie pleite. Für Onlinehändler, die als Lieferanten oder Plattformpartner mit TPG-Töchtern arbeiten, ist das ein Warnsignal. Denn nach Digitec Living Brands . Wortfilter berichtete, ist es bereits die zweite Insolvenz im Benner-Reich innerhalb von fünf Wochen. Und die Liste der Töchter, über deren Zahlungsmoral sich Händler und Kunden beschweren, wird länger.

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Verkauft am 13. Oktober, insolvent vor Monatsende

Wie die WirtschaftsWoche am 30. Oktober berichtet, hat die BCR Online-Warenhandels GmbH Insolvenzantrag gestellt. Das Amtsgericht Offenbach am Main bestellte Sebastian Netzel von der Kanzlei Brinkmann & Partner zum vorläufigen Insolvenzverwalter. Er will sich laut WiWo zunächst einen Überblick verschaffen und die Gesellschaft verkaufen.

Die Chronologie dahinter ist bemerkenswert. Im Sommer tauchte im Impressum der Luxusmode-Plattform fashionette plötzlich eine neue Betreiberin auf: die fashionette Plattform GmbH. Die alte fashionette GmbH, die den Shop bis dahin betrieb, wurde in BCR Online-Warenhandels GmbH umbenannt. Im September verlegte TPG ihren Sitz nach Offenbach am Main. Mitte Oktober bekam sie laut Handelsregister einen neuen Eigentümer und Geschäftsführer: Michael Witt aus Neubrandenburg, nach eigenen Angaben spezialisiert auf die Sanierung von Unternehmen. Keine drei Wochen später stellte Witt den Insolvenzantrag.

Laut WiWo-Recherche in den Datenbanken des Deutschen Patent- und Markenamts (DPMA) und der Domain-Registrierungsstelle Denic liegen sowohl die Markenrechte an „fashionette“ als auch die Domain weiterhin bei der alten, jetzt insolventen Gesellschaft. Die Plattform, die TPG weiterbetreibt, läuft also auf einer Marke und einer Domain, über die künftig ein Insolvenzverwalter mitentscheidet.

„Keine wirtschaftlichen Auswirkungen“ – was in Benners Mitteilung fehlt

Am 29. Oktober, einen Tag vor dem WiWo-Bericht, veröffentlichte die börsennotierte TPG eine Mitteilung. Darin kündigt Benner die gesellschaftsrechtliche Neuaufstellung der Shared-Service-Aktivitäten, eine zentrale Wareneinkaufsgesellschaft und den Ausbau des Beteiligungsportfolios an. Ziel bleibt ein Nettoumsatz von einer Milliarde Euro in diesem Jahr, mit 33 Plattformen in 28 Branchen.

In derselben Mitteilung steht der Verkauf der ehemaligen fashionette GmbH: Der Vorstand habe entschieden, den Eigenhandel mit Luxusprodukten nicht fortzuführen und die Restaktivitäten in Form der BCR Online-Warenhandels GmbH zu veräußern. Die Veräußerung sei am 13. Oktober 2026 an einen Erwerber mit Sitz in Deutschland erfolgt, über den Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart. Der Vorgang habe keine Auswirkungen auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage von TPG. Dass die verkaufte Gesellschaft direkt nach dem Verkauf in die Insolvenz gerutscht ist, steht in der Mitteilung nicht.

116.000 Euro Urteil und ein abgewiesener Insolvenzantrag: die Vorgeschichte

Dass fashionette Lieferanten schleppend bezahlt, ist seit Monaten Thema. Im Frühjahr behauptete ein Düsseldorfer Lieferant laut WiWo, fashionette schulde ihm einen sechsstelligen Betrag aus dem Vorjahr. Angekündigte Teilzahlungen seien nicht im besprochenen Umfang geflossen. Im März stellte er selbst einen Insolvenzantrag gegen fashionette. Benners Anwalt hielt dagegen: Die Ware sei weder bestellt noch geliefert worden, das Amtsgericht Düsseldorf habe den Antrag wegen Zweifeln an der Forderung abgelehnt.

Im August folgte ein Urteil: Das Landgericht Wiesbaden verurteilte die fashionette GmbH, rund 116.000 Euro nebst Zinsen an einen mittelständischen Modehändler zu zahlen. Der hatte über die Plattform verkauft, aber seine Erlöse für Dezember 2025 bis Februar 2026 nicht erhalten. Selbst Rechnungen der konzerneigenen Schwester Brandfield soll fashionette laut WiWo zeitweise nicht fristgerecht beglichen haben. Benners Anwalt bestritt das. Auf Fragen nach wirtschaftlichen Problemen verwies er im Sommer auf ein verändertes Geschäftsmodell und Maßnahmen zur Kostenreduktion.

Lott, Chronext, Schuhe24: Wo es im Benner-Reich sonst noch knirscht

Die Autoteile-Plattform Lott war Anfang September zeitweise komplett offline. Inzwischen ist die Seite wieder erreichbar, doch bei Motoröl, Batterien, Werkzeug oder Verbandskästen steht hinter allen Artikeln „zur Zeit nicht lieferbar“. Wortfilter hatte bereits im Frühjahr über die Lage bei Lott berichtet : über 200.000 eBay-Angebote ohne lieferbare Ware, ein leerer Onlineshop, ein gesperrter Einkaufsaccount beim Reifen-Großhandelsportal tyre24, offene Lieferantenrechnungen und geplatzte Lastschriften über Kleinstbeträge. Benners Anwälte erklärten damals, mangels Anlasses werde kein Insolvenzverfahren geprüft.

Bei der Luxusuhren-Plattform Chronext warteten über Monate Kunden auf Lieferungen oder Auszahlungen. Ein Anwalt, der mehrere Chronext-Kunden vertritt, berichtete, dass das Unternehmen auf Mahnbescheide oft nicht reagiere und man in einigen Fällen bis zur Kontopfändung gehen musste. Inzwischen soll die Zahlungsabwicklung über ein Treuhandkonto laufen. Ähnliche Beschwerden gibt es von Kunden der TPG-Plattformen Schuhe24 und bike-angebot.de; Fragen der WiWo dazu ließ Benner unbeantwortet. Und Ende September musste der Möbelhändler Digitec Living Brands, an dem TPG die Mehrheit hielt, Insolvenz anmelden. Die Gesellschaft wird laut TPG nicht fortgeführt, sondern liquidiert.

Lieferant oder Partner einer TPG-Tochter? Dann jetzt handeln

Wer offene Forderungen gegen die BCR Online-Warenhandels GmbH (vormals fashionette GmbH) hat, sollte sie jetzt dokumentieren und beim vorläufigen Insolvenzverwalter Sebastian Netzel (Brinkmann & Partner) anzeigen. Nach Eröffnung des Verfahrens läuft die Anmeldung zur Insolvenztabelle über den Verwalter. Wer noch Ware unter Eigentumsvorbehalt geliefert hat, sollte das umgehend geltend machen. Lieferungen an die Gesellschaft nur noch gegen Vorkasse.

Händler, die über die fashionette-Plattform verkaufen, haben es jetzt mit der fashionette Plattform GmbH als Vertragspartner zu tun. Prüfe, mit welcher Gesellschaft dein Vertrag geschlossen wurde und wer deine Auszahlungen schuldet. Für alle anderen TPG-Töchter gilt: Zahlungsziele kurz halten, Auszahlungsrhythmus überwachen, bei Verzug sofort mahnen. Die Vorgänge bei fashionette zeigen, wie schnell ein Vertragspartner umfirmiert, verkauft und insolvent sein kann.

Einordnung: Umfirmieren, verkaufen, pleite – ein Muster?

Betreiberwechsel im Impressum, Umbenennung, Sitzverlegung, Verkauf an einen Sanierer (oder Firmenbestatter?) aus Neubrandenburg, Insolvenzantrag. Marke und Domain blieben in der verkauften Hülle. Die Konzernmutter meldet „keine Auswirkungen“ und ein Milliardenziel. Das das ein Muster ist oder eine Verkettung von Einzelfällen, muss Benner beantworten. Eine Stellungnahme von TPG zur Insolvenz der verkauften Gesellschaft liegt Wortfilter bislang nicht vor.

Für Onlinehändler zählt etwas anderes: Lott liefert nicht, Chronext zahlt über ein Treuhandkonto, Digitec wird liquidiert, fashionette ist insolvent. Wer heute noch auf Rechnung an eine TPG-Tochter liefert, sollte geteert und gefedert werden.

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