Patrick Stewart ist gestorben. Der Schauspieler, der 15 Jahre lang als Captain Jean-Luc Picard die U.S.S. Enterprise kommandierte und in neun Filmen Professor Charles Xavier spielte, starb am 28. Oktober 2026 in seinem Haus in Los Angeles. Er wurde 86 Jahre alt. Für Onlinehändler mit Fanartikeln, Sammlerfiguren und Medien ist das mehr als eine Kulturnachricht: Star Trek und X-Men gehören zu den umsatzstärksten Lizenzwelten im Handel, und sieben Wochen vor Weihnachten startet mit „Avengers: Doomsday“ Stewarts letzter Film. Die Nachfrage nach allem, was Picard und Professor X zeigt, dürfte in den nächsten Wochen anziehen.
Inhaltsverzeichnis
- „Unbekannter britischer Shakespeare-Darsteller“: Wie Picard fast nicht zustande kam
- Professor X bis zum Schluss: Letzter Film startet am 18. Dezember
- Replikator, PADD, Tricorder: Die Serie, die den Handel von heute vorwegnahm
- Sammlerfiguren schon ausverkauft: Was jetzt unter dem Baum landet
- Gedenk-Shirts drucken? Wer jetzt ohne Lizenz verkauft, riskiert die Abmahnung
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„Unbekannter britischer Shakespeare-Darsteller“: Wie Picard fast nicht zustande kam
Wie The Hollywood Reporter unter Berufung auf Stewarts Sprecherin Kelly Bush Novak berichtet, starb der Schauspieler nach einer kurzen Erkrankung an Alzheimer und Lewy-Körper-Demenz (eine Demenzform mit Eiweißablagerungen im Gehirn). Seine Frau, die Jazzmusikerin Sunny Ozell, war bei ihm. Stewart hinterlässt zwei Kinder aus seiner ersten Ehe.
Geboren wurde Stewart am 13. Juli 1940 in Mirfield, Yorkshire. Mit 15 Jahren verließ er die Schule, arbeitete kurz als Lokalreporter und verkaufte Möbel, bevor er mit 18 ein Stipendium an der Bristol Old Vic Theatre School bekam. Mit 26 trat er der Royal Shakespeare Company bei. In den USA kannte ihn Ende der 1980er-Jahre niemand. Star-Trek-Erfinder Gene Roddenberry wollte keinen glatzköpfigen Briten als Gesicht seiner neuen Serie. Produzent Robert Justman setzte sich durch, Stewart unterschrieb 1987 einen Sechsjahresvertrag und rechnete nach eigener Aussage damit, dass die Serie keine Staffel überlebt.
„Star Trek: The Next Generation“ lief von September 1987 bis 1994, sieben Staffeln, 178 Folgen. Danach folgten vier Kinofilme: „Treffen der Generationen“ (1994), „Der erste Kontakt“ (1996), „Der Aufstand“ (1998) und „Nemesis“ (2002). Nach 17 Jahren Pause kehrte Stewart 2020 für drei Staffeln „Star Trek: Picard“ zurück. Die dritte Staffel (2023) brachte die gesamte TNG-Crew noch einmal zusammen. 2010 schlug ihn Königin Elizabeth II. zum Ritter.
Professor X bis zum Schluss: Letzter Film startet am 18. Dezember
Stewart zögerte, als ihm 2000 die Rolle des Charles Xavier in „X-Men“ angeboten wurde. Er fürchtete, nach Picard dauerhaft auf Science-Fiction festgelegt zu werden. Er nahm an, spielte neben seinem langjährigen Freund Ian McKellen als Magneto und blieb der Figur 26 Jahre treu: „X2“ (2003), „X-Men: Der letzte Widerstand“ (2006), „X-Men: Zukunft ist Vergangenheit“ (2014), „Logan“ (2017) sowie Kurzauftritte in „X-Men Origins: Wolverine“ (2009), „Wolverine: Weg des Kriegers“ (2013) und „Doctor Strange in the Multiverse of Madness“ (2022).
Sein letzter Auftritt kommt posthum: In „Avengers: Doomsday“ spielt Stewart erneut Professor X, Kinostart ist der 18. Dezember 2026, wie CBS News berichtet. Marvel Studios nannte ihn in einer Stellungnahme ein „singuläres Talent“, Wolverine-Darsteller Hugh Jackman schrieb, er habe einen „großartigen Freund“ verloren. Für den Handel heißt das: Der größte Marvel-Film des Jahres läuft eine Woche vor Weihnachten an, und einer seiner Hauptdarsteller ist gerade zum Thema aller Nachrichtenseiten geworden.
Replikator, PADD, Tricorder: Die Serie, die den Handel von heute vorwegnahm
Kaum eine Serie hat so viele Produkte vorgedacht, die heute im Sortiment liegen. Das PADD (Personal Access Display Device), das Picard auf der Brücke in die Hand nahm, war 1987 ein flaches Touch-Tablet, 23 Jahre vor dem iPad. Der Kommunikator am Revers nahm das Headset und die Smartwatch vorweg. Der Tricorder, ein Handscanner für Medizin und Umwelt, ist das Vorbild für tragbare Diagnosegeräte, um die sich heute eigene Shop-Kategorien drehen. Der Computer der Enterprise reagierte auf Sprache, Jahrzehnte vor Alexa und Siri.
Am weitesten ging der Replikator: Ein Gerät, das jedes Produkt auf Zuruf herstellt, ohne Lager, ohne Versand, ohne Retoure. Picards „Tea, Earl Grey, hot“ ist bis heute das bekannteste Beispiel für eine Bestellung ohne Lieferkette. Der 3D-Druck und die On-Demand-Produktion, mit der heute Shirts, Tassen und Ersatzteile erst nach dem Kauf entstehen, gelten als frühe Form davon. Die Serie zeigte zudem eine Wirtschaft ohne Geld, in der Handel über Zweck und Qualität statt über Preis funktioniert. Dass daraus ausgerechnet eines der größten Lizenzgeschäfte der Popkultur geworden ist, gehört zu den Pointen der Franchise.
Sammlerfiguren schon ausverkauft: Was jetzt unter dem Baum landet
Die Lizenzwelt rund um Picard ist breit. Playmates hat seine Actionfiguren der 1990er-Jahre im Retro-Blister neu aufgelegt, inklusive Picard mit Phaser, PADD und Tricorder. Der Hersteller EXO-6 verkauft 1:6-Figuren aus „Star Trek: Picard“ für rund 200 Euro, der Admiral Picard mit Flasche Château Picard ist beim Hersteller bereits ausverkauft. Dazu kommen TUBBZ-Enten für unter 10 Euro, Funko-Figuren, Hallmark-Weihnachtsanhänger, Blu-ray-Steelbooks, Uniformen, Tassen mit dem Earl-Grey-Zitat und das real existierende Château-Picard-Weinlabel. Auf der X-Men-Seite stehen Comics, Hot-Toys-Figuren und ab Dezember die Doomsday-Produktwelle von Disney.
Der Zeitpunkt fällt mitten in das Weihnachtsgeschäft. Erfahrungsgemäß steigt nach dem Tod eines prägenden Darstellers die Nachfrage nach Figuren, Medien und Memorabilia kurzfristig deutlich an, bei Sammlerware auch die Preise auf dem Zweitmarkt. Wer Star-Trek- oder Marvel-Artikel im Sortiment hat, sollte Bestände, Nachbestellfristen und Preise jetzt prüfen. Lieferzeiten von Lizenzware liegen bei Importartikeln häufig bei mehreren Wochen, ein Nachordern Anfang Dezember kommt für das Weihnachtsgeschäft zu spät. Auf eBay und in den Sammlerkategorien von Amazon ist mit stark steigenden Suchanfragen nach „Picard“, „Professor X“ und „Patrick Stewart“ zu rechnen.
Gedenk-Shirts drucken? Wer jetzt ohne Lizenz verkauft, riskiert die Abmahnung
Nach prominenten Todesfällen tauchen auf Marktplätzen innerhalb von Stunden selbst gedruckte Shirts, Poster und Tassen auf. Davon ist abzuraten. Die Marke Star Trek und die Figur Picard gehören Paramount, X-Men und Professor X gehören Marvel beziehungsweise Disney. Beide Konzerne lassen Marktplätze systematisch nach Verstößen durchsuchen. Dazu kommt das postmortale Persönlichkeitsrecht: In Deutschland ist das Bild eines Verstorbenen nach § 22 KUG zehn Jahre nach dem Tod geschützt, die Erben können die Nutzung untersagen. Wer Stewarts Gesicht oder Namen ohne Lizenz auf Ware druckt, handelt sich Abmahnungen von zwei Seiten ein.
Sicher ist der Handel mit offiziell lizenzierter Ware und mit Gebrauchtartikeln: Originalverpackte Figuren aus den 1990er-Jahren, DVD-Boxen, signierte Autogrammkarten und Sammelkarten dürfen frei weiterverkauft werden. Patrick Stewart hat 1987 einen Vertrag unterschrieben, von dem ihm alle abrieten. Fast 40 Jahre später entscheidet seine Figur noch immer darüber, was unter deutschen Weihnachtsbäumen liegt.




