Das Konsumklima nach Haushaltstypen zeigt für November 2026 eine Spreizung, die der Gesamtindikator verdeckt. Familien verbessern ihre Konsumstimmung um 10,5 Punkte, Singles und Paare verlieren weiter, Rentnerhaushalte bleiben mit –45,7 Punkten die pessimistischste Gruppe. Das geht aus der soziodemografischen Auswertung des NIM Konsumklimas powered by GfK hervor, die das Nürnberg Institut für Marktentscheidungen (NIM) am 4. November veröffentlicht hat. Der Gesamtindikator ging in der Vorausschau auf November nur um 0,2 Punkte zurück. Für Onlinehändler ist die Verteilung aussagekräftiger als der Gesamtwert, weil die Kaufbereitschaft derzeit nur in einem Haushaltssegment steigt.
Inhaltsverzeichnis
- Ein Segment trägt den Gesamtindikator: Familien bei –16,1 Punkten
- Paare, Singles und WGs: Der Hochpunkt vom August ist aufgebraucht
- Rentner bei –45,7 Punkten: Kein weiterer Rückgang, keine Erholung
- 9 Punkte Vorsprung: Konjunkturerwartung erklärt die Lücke
- 35 Prozent: Warum das Konsumklima den Handel nur teilweise abbildet
- Methode: 2.000 Interviews vom 1. bis 13. Oktober
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Ein Segment trägt den Gesamtindikator: Familien bei –16,1 Punkten
Der Konsumklima-Indikator der Familien (Haushalte ab drei Personen mit mindestens einem Kind) liegt im Oktober bei –16,1 Punkten und damit deutlich über dem Durchschnitt aller Haushaltstypen. Der Zuwachs von 10,5 Punkten gleicht den Rückgang des Vormonats fast vollständig aus. Über den Sommer war die Stimmung dieser Gruppe rückläufig gewesen.
Hinter der Erholung stehen laut NIM leicht gestiegene Einkommenserwartungen. Davon profitierte die Anschaffungsneigung, also die Einschätzung, ob größere Käufe wie Möbel oder Elektrogeräte derzeit sinnvoll sind. Die Sparneigung ging gleichzeitig etwas zurück. Nach Darstellung des Instituts federte die Entwicklung der Familien den Rückgang des Gesamtindikators ab.
Paare, Singles und WGs: Der Hochpunkt vom August ist aufgebraucht
Singles unter 65 Jahren, kinderlose Paare und sonstige Haushalte (Wohngemeinschaften, Familien mit Kindern über 15 Jahren) hatten im August einen Hochpunkt erreicht, nachdem die Werte im Juni und Juli gesunken waren. Seitdem fällt der Indikator in diesen Gruppen und liegt im Oktober etwas unter dem Gesamtindikator: –41,8 Punkte bei Paaren, –39,1 Punkte bei Singles, –34,6 Punkte bei sonstigen Haushalten.
In allen drei Gruppen haben sich Einkommenserwartung und Anschaffungsneigung in den vergangenen zwei Monaten eingetrübt. Die Sparneigung zog zum Teil an. Der Rückgang fiel im Oktober allerdings geringer aus als im Vormonat.
Rentner bei –45,7 Punkten: Kein weiterer Rückgang, keine Erholung
Haushalte mit Personen ab 65 Jahren weisen mit –45,7 Punkten weiterhin das schlechteste Konsumklima aller Haushaltstypen auf. Der Indikator bewegt sich kaum. Die Einkommenserwartungen hellten sich im Oktober minimal auf, die Sparneigung ging etwas zurück. Gleichzeitig sank die Anschaffungsneigung.
Die Gruppe bleibt damit in der Vorausschau auf November der stabilste Negativwert in der Auswertung. Eine Trendwende lässt sich aus den Oktoberdaten nicht ableiten.
9 Punkte Vorsprung: Konjunkturerwartung erklärt die Lücke
Als Erklärung für die Abweichung der Familien verweist das NIM auf deren Konjunkturerwartungen. Der entsprechende Indikator liegt bei Familien rund 9 Punkte über dem Gesamtdurchschnitt. Anja Bauer, Senior Researcher am NIM, führt das Konsumklima der Familien darauf zurück: Wer mit einer wirtschaftlichen Belebung rechne, schätze aktuelle Belastungen eher als überwindbar ein, auch bei hohen Lebenshaltungskosten.
Für die übrigen Haushaltstypen zieht Bauer den umgekehrten Schluss. Die anhaltend schwache Stimmung deute darauf hin, dass vielen Menschen die Bereitschaft für größere Anschaffungen fehle. Der Spielraum für einen vom Konsum getragenen Aufschwung bleibe damit begrenzt.
35 Prozent: Warum das Konsumklima den Handel nur teilweise abbildet
Das Konsumklima bezieht sich auf die gesamten privaten Konsumausgaben. Der Einzelhandel macht davon je nach Abgrenzung nur etwa 35 Prozent aus. Das NIM weist zudem darauf hin, dass es sich um subjektive Stimmungsindikatoren handelt, nicht um Verhaltensdaten. Tatsächliche Käufe hängen zusätzlich von Liquidität, Notwendigkeit, Preisen und individuellen Umständen ab.
Für Onlinehändler folgt daraus eine Einschränkung und ein Hinweis. Die Einschränkung: Aus einem Plus von 10,5 Punkten bei Familien lässt sich kein Umsatzplus im Familiensegment ableiten. Der Hinweis: Die Anschaffungsneigung, also die Bereitschaft zu größeren Käufen, steigt derzeit nur bei Familien und sinkt bei allen anderen Haushaltstypen. Wer Sortimente oder Kampagnen auf Haushaltstypen zuschneidet, findet in der Auswertung eine Richtung, aber keine Prognose.
Methode: 2.000 Interviews vom 1. bis 13. Oktober
Die Auswertung basiert auf rund 2.000 Verbraucherinterviews, die NIQ/GfK im Auftrag des NIM und kofinanziert durch die EU-Kommission erhebt. Der Befragungszeitraum lag zwischen dem 1. und 13. Oktober 2026. Der Konsumklima-Indikator errechnet sich je Gruppe aus Einkommenserwartung, Anschaffungsneigung und Sparneigung und gilt als Frühindikator für den privaten Konsum.
Das NIM hat die Kommunikation zum Konsumklima im April 2026 von GfK übernommen und veröffentlicht die Studie seitdem unter dem Namen „NIM Konsumklima powered by GfK“. Das Konsumklima Sozio mit soziodemografischen Auswertungen erscheint seit Juni 2026 jeweils einige Tage nach dem Gesamtindikator. Die nächsten Termine sind der 11. Dezember (verschoben vom 3. Dezember) und der 21. Dezember 2026. Methodik, Datenerhebung und Auswertung sind laut NIM unverändert.




