Die Post Preisliste 2027 liegt Wortfilter vollständig vor – und sie geht deutlich über das hinaus, was die Deutsche Post heute Mittag in ihrer Pressemitteilung verraten hat. Dort steht nur der Standardbrief mit 1,15 Euro. Die interne Tabelle „Neue Preise für ausgewählte Produkte und Services zum 1.1.2027“ zeigt dagegen alle nationalen und internationalen Briefprodukte. Der Maxibrief springt von 2,90 auf 5,00 Euro, ein Plus von 72 Prozent. Für Onlinehändler, die Kleinteile als Brief verschicken, ist das die teuerste Portorunde seit der Postreform.
Inhaltsverzeichnis
- 72 Prozent: Der Maxibrief wird zum teuersten Posten
- Pressemitteilung nennt 1,15 Euro – die Liste zeigt den Rest
- Wie aus 20,35 Prozent im Schnitt 72 Prozent beim Händler werden
- International: Maxibrief gestrichen, Großbrief verdoppelt sich nominal
- Was du bis Januar durchrechnen musst
- Die Post räumt den Brief für Waren ab
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72 Prozent: Der Maxibrief wird zum teuersten Posten
Alle fünf nationalen Basisprodukte werden teurer. Der Standardbrief steigt von 0,95 auf 1,15 Euro (+21,1 Prozent), der Kompaktbrief von 1,10 auf 1,25 Euro (+13,6 Prozent), der Großbrief von 1,80 auf 2,35 Euro (+30,6 Prozent) und der Maxibrief von 2,90 auf 5,00 Euro (+72,4 Prozent). Die Postkarte kostet künftig so viel wie der Standardbrief: 1,15 Euro statt 0,95 Euro.
Unverändert bleiben die Zusatzleistungen. Einschreiben (2,65 Euro), Einschreiben Einwurf (2,35 Euro), Einschreiben Rückschein (4,85 Euro) und Einschreiben Wert (4,45 Euro) behalten ihre Preise. Auch die Postfach-Jahresmiete bleibt bei 29,90 Euro für Privatkunden und 49,90 Euro für Geschäftskunden.

Der Blick zwei Jahre zurück macht die Dimension sichtbar. Anfang 2025 kostete der Maxibrief 2,75 Euro, der Großbrief 1,60 Euro, der Standardbrief 85 Cent. Innerhalb von zwei Portorunden verteuert sich der Maxibrief damit um 82 Prozent, der Großbrief um 47 Prozent und der Standardbrief um 35 Prozent. Die Bundesnetzagentur hatte für 2025 einen Spielraum von 10,48 Prozent genehmigt, für 2027 und 2028 stellt sie 20,35 Prozent in Aussicht.
Pressemitteilung nennt 1,15 Euro – die Liste zeigt den Rest
Die Deutsche Post hat die Erhöhung heute um 13 Uhr per Pressemitteilung angekündigt. Darin stehen genau zwei Preise: 1,15 Euro für den Standardbrief national und 1,45 Euro für den Standardbrief international. Für Postkarte, Kompakt-, Groß- und Maxibrief heißt es lediglich, die Preise würden „angepasst“. Vorständin Nikola Hagleitner begründet den Schritt mit seit Jahren sinkenden Briefmengen bei steigenden Personal-, Energie- und Sachkosten. Die Post rechnet vor, dass ein Privathaushalt rund 75 Cent pro Monat mehr zahlt.
Grundlage ist der Entscheidungsentwurf der Bundesnetzagentur vom 12. Oktober 2026. Die Behörde erlaubt der Post, die Briefpreise im Durchschnitt um 20,35 Prozent anzuheben, wie ZDFheute berichtet . Der Wert gilt für zwei Jahre und bezieht sich auf die prognostizierte Gesamtmenge aller Briefe und Postkarten. Behördenchef Klaus Müller verweist auf den Mengenrückgang von 16,9 Milliarden Sendungen im Jahr 2005 auf knapp 9,4 Milliarden im Jahr 2025. Stellungnahmen sind bis zum 30. Oktober möglich, die endgültige Entscheidung soll im November fallen. Erst dann prüft die Behörde die konkreten Produktpreise. Die Post hat ihren Spielraum in allen bisherigen Runden voll ausgeschöpft.
Wie aus 20,35 Prozent im Schnitt 72 Prozent beim Händler werden
Der genehmigte Spielraum ist ein Durchschnittswert über alle Sendungsmengen. Wie die Post ihn auf die einzelnen Produkte verteilt, entscheidet sie selbst. Die Liste zeigt die Verteilung: Der Standardbrief, mit Abstand das mengenstärkste Produkt, liegt mit 21,1 Prozent knapp über dem Schnitt. Einschreiben und Postfächer bleiben bei null. Den Ausgleich tragen die großen Formate. Der Großbrief liegt mit 30,6 Prozent anderthalbfach, der Maxibrief mit 72,4 Prozent dreieinhalbfach über dem genehmigten Durchschnitt.
Groß- und Maxibrief sind die Formate, mit denen Onlinehändler Ladekabel, Ersatzteile, Kosmetik, Schmuck oder Sammelkarten verschicken. Rund 85 Prozent des Briefgeschäfts der Post entfallen auf Firmen- und Behördenkunden. Wer 1.000 Maxibriefe im Monat versendet, zahlt ab Januar 2.100 Euro mehr, bei 1.000 Großbriefen sind es 550 Euro. Die 75 Cent pro Monat, die die Post für Privathaushalte ausweist, sagen über diese Kunden nichts aus.
Dazu kommt die Formatänderung. Ab 1. Januar 2027 dürfen Briefe nur noch 3 Zentimeter hoch sein statt bisher 5 Zentimeter beim Maxibrief, wie Paketda berichtet . Im Gegenzug steigt das zulässige Gewicht des Maxibriefs auf 2 Kilogramm und das des Großbriefs auf 1 Kilogramm. Die Post begründet die 3-Zentimeter-Grenze mit der Trennung von Dokumenten und Waren. Die Großbriefsortieranlagen verarbeiten maximal rund 3,2 Zentimeter Dicke. Was dicker ist, wandert ins Paketgeschäft. Der Händlerbund sprach bereits im August von einer „Portoerhöhung durch die Hintertür“. Jetzt kommt die Erhöhung durch die Vordertür hinzu.
Zum Vergleich: Das DHL Päckchen S kostet aktuell 4,19 Euro, das Päckchen M 5,19 Euro, jeweils bis 2 Kilogramm. Ab 2027 erhalten Päckchen laut Pressemitteilung automatisch Sendungsverfolgung und eine Haftung bis 20 Euro, das Höchstgewicht sinkt dafür auf 1 Kilogramm. Ein Maxibrief ohne Sendungsverfolgung und ohne Haftung für 5,00 Euro steht damit preislich zwischen zwei Päckchen-Produkten, die beides bieten. Die neuen Päckchen-Preise für 2027 hat die Post noch nicht genannt. Die Warensendung bleibt laut Post erhalten, Händler berichten jedoch seit Jahren, dass sie trotz Matrixcode kaum gescannt wird.
International: Maxibrief gestrichen, Großbrief verdoppelt sich nominal
Im Auslandsversand baut die Post das Portfolio um. Der Standardbrief International steigt von 1,25 auf 1,45 Euro (+16 Prozent), der Kompaktbrief von 1,80 auf 2,10 Euro (+16,7 Prozent). Neu ist der Midibrief International bis 500 Gramm für 3,80 Euro. Der Großbrief International wird auf bis zu 1.000 Gramm erweitert und kostet 6,80 Euro statt 3,30 Euro. Die beiden Maxibrief-Varianten International bis 1.000 Gramm (6,50 Euro) und bis 2.000 Gramm (17,00 Euro) entfallen ersatzlos.
Sauber verglichen ersetzt der Midibrief den bisherigen Großbrief (3,30 auf 3,80 Euro, +15,2 Prozent) und der neue Großbrief den bisherigen Maxibrief bis 1.000 Gramm (6,50 auf 6,80 Euro, +4,6 Prozent). Wer bisher bis 2.000 Gramm als Brief ins Ausland verschickt hat, braucht ab Januar ein Paket. Einschreiben International steigt von 3,70 auf 3,95 Euro, Einschreiben Rückschein von 5,90 auf 6,35 Euro. Der Wert-Zuschlag International bleibt bei 2,00 Euro je angefangene 100 Euro Haftung.
Was du bis Januar durchrechnen musst
Zieh deine Versandstatistik der letzten zwölf Monate und sortiere nach Format. Jede Sendung, die heute als Maxibrief läuft, kostet ab Januar 2,10 Euro mehr. Jede Sendung über 3 Zentimeter Höhe fällt zusätzlich aus dem Briefformat heraus und muss als Päckchen, Kleinpaket oder Paket laufen. Prüfe, welche Artikel sich durch eine flachere Verpackung unter 3 Zentimeter bringen lassen. Beim Großbrief lohnt sich die neue Gewichtsgrenze von 1 Kilogramm: Was bisher wegen des Gewichts Maxibrief war, passt jetzt für 2,35 Euro in den Großbrief.
Geschäftskunden mit DHL-Vertrag sollten sich nicht auf diese Liste verlassen. Die Post kündigt in der Pressemitteilung an, Paketpreise für Geschäftskunden ab 1. Januar 2027 separat zu erhöhen, unabhängig vom Verfahren der Bundesnetzagentur. Die Kunden werden in den kommenden Wochen individuell informiert. Auch die Teilleistungen im Briefbereich, also die Rabatte für vorsortierte Geschäftspost, werden angepasst. Die Privatkunden-Paketpreise für 2027 will die Post später bekanntgeben.
Die Post räumt den Brief für Waren ab
Die Pressemitteilung erzählt die Geschichte vom Standardbrief, der mit 1,15 Euro unter dem europäischen Durchschnitt von 1,52 Euro liegt. Die Liste erzählt eine andere. Die Post nutzt den genehmigten Durchschnitt, um die Last dorthin zu verschieben, wo sie den Wettbewerb am wenigsten fürchtet: zu den Händlern, die Waren im Briefformat verschicken und für die Päckchen oder Paket die einzige Alternative im selben Haus sind. Die 3-Zentimeter-Regel und der Preis von 5,00 Euro greifen ineinander. Der Maxibrief ist ab Januar kein Versandprodukt mehr, sondern ein Argument für das Päckchen.
Die Bundesnetzagentur prüft im November den Durchschnitt. Dass sie beim Maxibrief einschreitet, ist nach den bisherigen Runden nicht zu erwarten. Ein Produkt, das in zwei Jahren von 2,75 auf 5,00 Euro steigt, hat keinen Preis mehr, sondern eine Abschiedsadresse.




