Der refurbed Marktplatz ist seit dieser Woche in Großbritannien live und öffnet Onlinehändlern mit Refurbished-Ware damit einen der größten Refurbished-Märkte Europas. Das Wiener Unternehmen verkauft keine eigenen Geräte, sondern vermittelt generalüberholte Smartphones, Laptops und Haushaltsgeräte von geprüften Händlern an Endkunden. Wer dort verkaufen will, zahlt keine Grundgebühr, aber eine Provision pro Verkauf, muss mindestens zwölf Monate Garantie geben und eine Prüfung durchlaufen. Die Anbindung läuft über eine eigene Seller-API oder über Integratoren wie plentyONE, ChannelEngine und Linnworks. Dieser Beitrag fasst zusammen, woher refurbed kommt, was der Marktplatz kostet, welche Schnittstellen es gibt und wo du dich bewirbst.
Inhaltsverzeichnis
- Von 30.000 Euro Umsatz zu 3 Milliarden Warenwert: Woher refurbed kommt
- UK-Start: Ein Jahr Vorlauf, 100 Millionen ungenutzte Handys
- Zwölf Monate Garantie, Dokumentenprüfung, EU-Firma: Die Zugangshürden
- Keine Grundgebühr, rund 10 Prozent Provision – verhandelt wird einzeln
- REST, gRPC oder Integrator: So kommen deine Angebote auf die Plattform
- Bewerbung in vier Schritten: Formular, Vertriebsgespräch, Prüfung, Freischaltung
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Von 30.000 Euro Umsatz zu 3 Milliarden Warenwert: Woher refurbed kommt
refurbed wurde 2017 in Wien von Peter Windischhofer, Kilian Kaminski und Jürgen Riedl gegründet. Wenige Monate nach dem Soft-Launch meldete das Trio laut Trending Topics 30.000 Euro Umsatz. Heute ist refurbed nach eigenen Angaben in 24 europäischen Märkten aktiv, bietet mehr als 65.000 Produkte an und hat seit Gründung einen kumulierten Warenwert (GMV, also der Gesamtwert aller über die Plattform verkauften Waren) von rund 3 Milliarden Euro erreicht, wie ChannelX im März 2026 berichtete. Allein 2026 kamen zwölf neue Länder dazu, darunter Spanien, Frankreich und Polen.
Das Geschäftsmodell ist ein reiner Marktplatz: Der Kaufvertrag kommt zwischen Händler und Endkunde zustande, refurbed stellt die Plattform, das Marketing und den Kundenservice-Rahmen. Privatverkäufer sind nicht zugelassen. Anfang 2025 waren laut Trending Topics rund 300 geprüfte Händler und Refurbisher auf der Plattform aktiv. Im Oktober 2025 sammelte das Unternehmen 50 Millionen Euro ein, angeführt vom Spotify- und Wallapop-Investor Alex Zubillaga. Erklärtes Ziel der Runde: der Markteintritt in Großbritannien.
UK-Start: Ein Jahr Vorlauf, 100 Millionen ungenutzte Handys
Wie ChannelX am 23. Oktober 2026 berichtet, ist refurbed.co.uk jetzt für britische Kunden geöffnet. Das Sortiment umfasst zum Start Smartphones, Smartwatches, Tablets und Laptops, dazu läuft ein Ankaufsprogramm für Altgeräte mit kostenlosem versichertem Versand und Auszahlung innerhalb von 48 Stunden. Für den Markenaufbau hat refurbed die britische PR-Agentur The Wilful Group beauftragt. CEO Windischhofer nennt Großbritannien einen „kritischen Markt mit starker Nachfrage nach hochwertiger Refurbished-Technik“.
Der Integrator Linnworks spricht in einem Webinar mit refurbed von mehr als 500 Prozent Wachstum pro Woche in der Startphase und von der Prognose, dass das Vereinigte Königreich innerhalb von zwölf Monaten zu den drei größten refurbed-Märkten gehören soll. Als Potenzial nennt refurbed rund 100 Millionen ungenutzte Handys in britischen Haushalten, von denen etwa 33 Millionen aufbereitet werden könnten. Für Händler aus der EU bedeutet der Start einen zusätzlichen Absatzmarkt über eine bestehende Anbindung – ohne eigenen Shop, ohne eigenes Marketing in Großbritannien.
Zwölf Monate Garantie, Dokumentenprüfung, EU-Firma: Die Zugangshürden
refurbed nimmt nur gewerbliche Händler und Refurbisher auf. Die Händlerseite nennt drei Bedingungen: eine Firma mit Sitz in der EU und gültiger EU-Umsatzsteuer-Identifikationsnummer, nachweisbare Produktqualität und Kundenservice sowie eine interne Dokumentenprüfung vor der Freischaltung.
Jeder Händler muss dem Endkunden mindestens zwölf Monate Garantie einräumen und 30 Tage Rückgabe akzeptieren. Die Geräte müssen technisch vollständig geprüft, gereinigt und bei Bedarf mit Ersatzteilen instand gesetzt sein; refurbed wirbt mit einem Prozess von bis zu 40 Schritten. Der Zustand wird in drei Stufen angegeben: „Exzellent“ (sieht aus wie neu), „Sehr gut“ (leichte Gebrauchsspuren) und „Gut“ (deutliche Gebrauchsspuren). Alle Stufen müssen technisch einwandfrei funktionieren. Zugelassene Kategorien sind Smartphones, Tablets, Laptops, Smartwatches, Desktops, Kameras, Audio, Monitore, Fernseher, Haushalts- und Küchengeräte, Drucker/Scanner und Spielkonsolen. Weitere Kategorien prüft refurbed auf Anfrage.
Keine Grundgebühr, rund 10 Prozent Provision – verhandelt wird einzeln
refurbed verlangt weder Einrichtungs- noch Monatsgebühr. Verdient wird über eine Provision pro Verkauf. Der Integrator ChannelEngine nennt in seinem Marktplatz-Leitfaden 8,5 bis 10 Prozent je nach Kategorie. Eine Bilanzanalyse von Finsur berichtet, beziffert die durchschnittliche Provision laut Händlerleitfaden auf rund 10,5 Prozent. Die genauen Sätze legt refurbed nicht öffentlich fest; sie werden laut plentyONE im Onboarding mit dem Account-Management einzeln vereinbart.
Die Auszahlung erfolgt je nach Leistungsprofil des Händlers täglich bis monatlich. In den Abrechnungen weist refurbed eine Basisprovision und eine Auszahlungsprovision getrennt aus, die zusammen die Gesamtprovision ergeben. Für die Buybox (der Händler, dessen Angebot der Kunde beim Klick auf „Kaufen“ erhält) zählt nicht nur der Preis: refurbed rankt nach Preis, Verfügbarkeit, Versanddauer und der Qualitätsbilanz des Händlers – nach eigener Aussage für alle Verkäufer nach denselben Regeln. Wie refurbed mit Händlerbeschwerden umgeht, dokumentiert das Unternehmen in jährlichen P2B-Transparenzberichten nach der EU-Plattform-Verordnung.
REST, gRPC oder Integrator: So kommen deine Angebote auf die Plattform
refurbed bietet eine eigene Seller-API in zwei Varianten: klassische HTTPS-Aufrufe und gRPC (ein binäres Protokoll von Google für schnelle Maschine-zu-Maschine-Kommunikation). Darüber laufen Angebotserstellung, Bestand, Preise, Bestellungen, Versandprofile, Stornierungen und Retouren. Eine Sandbox zum Testen ist vorhanden. Das Listing arbeitet produktbasiert: Händler legen keine eigenen Produktseiten an, sondern hängen ihr Angebot per EAN an den bestehenden Katalogeintrag. Pro Zustandsstufe ist eine eigene SKU nötig. Rechnungen lassen sich über die API oder die Weboberfläche hochladen.
Wer keine eigene Anbindung bauen will, nutzt einen der von refurbed gelisteten Integratoren. Dazu zählen plentyONE (mit eigener Marktplatz-Schnittstelle, seit März 2026 auch mit Steuersatzberechnung im System), ChannelEngine , BaseLinker , Sellercloud , Linnworks sowie Commercium für Shopify, WooCommerce, PrestaShop und BigCommerce. ChannelEngine unterstützt dabei die Eingabewährungen Euro, Zloty, Schwedische und Dänische Krone.
Bewerbung in vier Schritten: Formular, Vertriebsgespräch, Prüfung, Freischaltung
Der Einstieg läuft über das Formular auf supplier.refurbed.com . Nach dem Absenden meldet sich das Vertriebsteam, führt durch das Onboarding und verhandelt die Konditionen. Danach folgt die Dokumentenprüfung, erst dann wird der Account freigeschaltet. Händler können wählen, auf welchen der aktiven Länderdomains sie verkaufen – und automatisch auch auf neuen Domains wie refurbed.co.uk. Der Händlername erscheint auf jeder Angebotsseite, Kunden sehen auch konkurrierende Angebote für dasselbe Produkt.
Für B2B-Anfragen und Ankauf ab zehn Geräten nennt refurbed die Adresse [email protected]. Wer die Zugangskriterien aktuell nicht erfüllt, kann sich laut refurbed später erneut bewerben. Händler mit bestehendem Account brauchen für Großbritannien keine neue Bewerbung, sondern nur die Freischaltung der neuen Domain. Ob dafür eine britische Umsatzsteuerregistrierung nötig ist, klärt refurbed im Onboarding – öffentlich dokumentiert ist es nicht.




