eBay verschickt seit dem 19. Oktober eine Mail an alle Nutzer: Die eBay Datenschutzerklärung wird zum 26. November 2026 neu gefasst. eBay nennt drei Punkte: eBay Live, Künstliche Intelligenz und das Teilen von Daten innerhalb der Unternehmensgruppe. Ein Vergleich der alten und der neuen Fassung zeigt die Änderungen. Die neue Erklärung weitet die automatische Überwachung von Angeboten aus, verändert die Regeln für automatisierte Entscheidungen über Verkäuferkonten und streicht die Zusage, Nutzer bei wesentlichen Änderungen direkt zu informieren. Onlinehändler sollten die Frist nutzen und bis zum 26. November den Widerspruch gegen das KI-Training prüfen.

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Drei Punkte in der Mail, acht Änderungen im Text

Die Mail an Nutzer fällt knapp aus. Sie nennt eBay Live, KI und das Teilen von Daten mit Konzerngesellschaften und Dienstleistern. Die US-Seite Value Added Resource hat die bisherige und die künftige Fassung Abschnitt für Abschnitt verglichen. Das Ergebnis: Die Aktualisierung gilt weltweit, die Texte für die USA, Großbritannien, Kanada und Australien sind weitgehend identisch. Mehrere Änderungen kommen in der Ankündigung nicht vor. Dazu gehören neue Formulierungen zur automatisierten Prüfung von Inhalten, eine Klausel, mit der eBay Auskünfte über seine Prüfsysteme beschränken darf, und der Wegfall der Benachrichtigungspflicht.

Die deutsche Fassung der Datenschutzerklärung trägt bereits den Hinweis, dass sie ab dem 26. November 2026 gilt. Sie verweist in Abschnitt 12 auf die Verwendung von KI und auf eine neue Hilfeseite „Künstliche Intelligenz bei eBay“. Dort beschreibt eBay, welche Datenkategorien in das Training einfließen und wie der Widerspruch funktioniert.

Angebote, Bilder, Livestreams: eBay prüft künftig alles automatisch

Die bisherige Erklärung beschreibt vor allem das automatische Filtern von Nachrichten im eBay-Nachrichtensystem, um Betrug und Verstöße gegen die Nutzungsbedingungen zu erkennen. Die neue Fassung geht deutlich weiter. Sie zählt ausdrücklich Angebote, Bilder, Videos, Livestream-Inhalte, Kommentare, Reaktionen, Transkripte, Untertitel und Meldungen als Inhalte auf, die automatisierte Systeme prüfen dürfen. Bei einem Verstoß behält sich eBay vor, Nachrichten zu blockieren, Inhalte zu entfernen, Kauf- und Verkaufsfunktionen einzuschränken oder das Konto zu sperren.

Neu ist außerdem eine Klausel, mit der eBay den Umfang der Auskunft über seine Erkennungs- und Durchsetzungssysteme begrenzen darf. Als Begründung nennt die Erklärung den Schutz vor Umgehung, die Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen sowie Geschäftsgeheimnisse. Für Onlinehändler, die gegen eine automatisierte Sperre oder Angebotslöschung vorgehen wollen, ist das relevant. Der Digital Services Act (DSA, EU-Verordnung über digitale Dienste) verpflichtet Plattformen, Entscheidungen zu begründen. Die Bundesnetzagentur hatte im Frühjahr 2026 genau an diesem Punkt mögliche DSA-Verstöße bei eBay festgestellt, unter anderem bei der Begründung von Durchsetzungsentscheidungen. Die neue Klausel schützt die Details der Systeme, nicht die Begründung der Einzelentscheidung. Wie viel eBay Händlern künftig im Einzelfall mitteilt, lässt der Text offen.

Deine Angebote trainieren eBays KI – wenn du nicht widersprichst

Die neue Erklärung trennt zwischen Daten, die beim Betrieb von KI-Funktionen anfallen, und Daten, mit denen eBay seine Modelle trainiert, testet und verbessert. Für das Training generativer KI will eBay vor allem öffentlich verfügbare Informationen nutzen. Zusätzlich darf eBay personenbezogene Daten aus der Nutzung des Marktplatzes heranziehen, darunter die Artikel, die ein Nutzer einstellt, verkauft, ansieht oder kauft. Voraussetzung ist laut Text, dass eBay die Verwendung für einen bestimmten Zweck als erforderlich und verhältnismäßig einstuft. Die Beurteilung trifft eBay selbst.

Die Hilfeseite zur KI listet die Datenkategorien konkret auf. Für Verkäufertools nutzt eBay frühere Angebote, Produktbeschreibungen, Bilder, Artikelmerkmale, Marktplatzaktivität und Verkäuferbewertungen. Damit sollen Angebotserstellung, Kategorisierung und Bildbearbeitung besser werden. Für Empfehlungen und Suche fließen angesehene Artikel, Kaufhistorie und Bewertungen ein. Für den Kundenservice verwendet eBay Inhalte aus Supportanfragen, Transaktions- und Angebotsdetails, Fallergebnisse und Kundenfeedback. Vor dem Training will eBay Maßnahmen wie De-Identifizierung (Entfernen direkter Personenbezüge) oder andere technische Schutzmaßnahmen anwenden. Gesundheits- und biometrische Daten sollen nicht in das Training generativer Modelle einfließen.

Zwei Formulierungen aus der Fassung vom April 2025 fehlen in der neuen Erklärung. Der ausdrückliche Hinweis, dass personenbezogene Daten auch zum Training von KI-Modellen Dritter verwendet werden, ist gestrichen. Ebenso die Zusage, Nutzer darüber zu informieren, wenn sie direkt mit einem KI-System interagieren. Als Rechtsgrundlage nennt eBay weiterhin das berechtigte Interesse nach Art. 6 Abs. 1 lit. f DSGVO. Eine Einwilligung holt eBay nicht ein.

Widerspruch wirkt nur nach vorn: Was du bis zum 26. November tun solltest

Der Widerspruch gegen das KI-Training ist für Nutzer im Europäischen Wirtschaftsraum, in Großbritannien und in der Schweiz vorgesehen. Er funktioniert über die Seite Einstellungen für KI-Entwicklung und -Training im eingeloggten eBay-Konto. Dort steht der Schalter „Verwendung personenbezogener Daten für die Entwicklung und das Training von KI“ auf „Ja“ und lässt sich auf „Nein“ stellen. Wer sich nicht mehr einloggen kann, etwa wegen einer Kontosperre, nutzt das Kontaktformular des Datenschutzbeauftragten unter dpocontact.corp.ebay.com, wie die Verbraucherzentrale NRW beschreibt.

Der Widerspruch hat drei Grenzen. Erstens wirkt er nur für künftiges Training. Daten, die bereits in ein Modell eingeflossen sind, lassen sich nicht zurückholen. Die Landesbeauftragte für Datenschutz in Brandenburg , die für die eBay GmbH zuständig ist, hatte 2025 aus diesem Grund empfohlen, Widerspruch einzulegen. Zweitens verarbeitet eBay die Daten auch nach dem Widerspruch weiter für Betrugsprävention, Sicherheit und Rechtspflichten. Drittens greift der Widerspruch nicht, wenn ein Nutzer selbst KI-Funktionen verwendet, etwa die KI-Angebotserstellung. Die dabei eingegebenen Daten werden verarbeitet.

Für gewerbliche Verkäufer kommt ein weiterer Punkt hinzu. Angebotstexte und Produktbilder sind Arbeitsergebnisse. Händler, die eigene Produktfotos, Texte oder Artikelmerkmale nicht in eBays Trainingsdaten sehen wollen, sollten den Schalter vor dem 26. November umlegen. Das Datum ist kein Stichtag, nach dem der Widerspruch unmöglich wird. Es ist der Tag, ab dem die erweiterten Regeln gelten.

Kontosperre per Algorithmus: Die Klausel, die eBay nicht erwähnt

Die neue Fassung ändert auch den Abschnitt zu automatisierten Entscheidungen. Bisher sagt eBay zu, keine Entscheidungen mit rechtlicher oder ähnlich erheblicher Wirkung ohne Einwilligung zu treffen, außer die Entscheidung ist für einen Vertrag erforderlich oder gesetzlich vorgeschrieben. In der neuen Fassung heißt die Ausnahme: gesetzlich vorgeschrieben „oder anderweitig erlaubt“. Ergänzt wird ein Hinweis auf Mitteilungen, Rechte und Schutzmaßnahmen. Für Nutzer in der EU gilt dabei Art. 22 DSGVO, der automatisierte Einzelentscheidungen begrenzt.

Die australische Fassung beschreibt die möglichen Folgen deutlicher als die übrigen. Dort heißt es, automatisierte Verarbeitung oder Profiling könne zur Sperrung, Kündigung oder Einschränkung von Konten, zu finanziellen Kontrollen oder zu Kreditkontrollen führen. Die europäische und die US-Fassung enthalten diesen Satz nicht. Welche Systeme eBay dafür einsetzt und ob sich die Praxis ändert, sagt die Erklärung nicht.

eBay Live: Dein Kommentar bleibt in der Aufzeichnung

Der in der Mail hervorgehobene Abschnitt zu eBay Live regelt die Daten aus Livestreams. eBay erfasst Nutzernamen, Angebote, Kommentare, Reaktionen, Nachrichten, Bilder, Geräteinformationen und Metadaten, die bei der Teilnahme entstehen. Livestreams dürfen aufgezeichnet und zum Abruf bereitgestellt werden. Die Aufzeichnung kann Kommentare und andere Beiträge der Teilnehmer enthalten. Wer in einem Stream kommentiert, muss damit rechnen, dass der Beitrag dauerhaft sichtbar bleibt.

Zwei weitere Änderungen betreffen Verkäufer indirekt. Die Formulierung zur biometrischen Verifizierung ist allgemeiner gefasst. Bisher bezog sie sich auf die Identifizierung von Verkäufern, künftig auf Identitäts- und Altersprüfung ohne Einschränkung auf Verkäufer. Zudem beschreibt die Erklärung ausführlicher, wann eBay Kontaktdaten von Verkäufern anzeigt, wenn das gesetzlich vorgeschrieben ist. Beide Punkte waren bereits in der alten Fassung allgemein abgedeckt.

Keine Mail mehr beim nächsten Mal: eBay streicht die Benachrichtigungspflicht

Die bisherige Erklärung sagt registrierten Nutzern zu, über wesentliche Änderungen per Nachricht in „Mein eBay“ oder per E-Mail informiert zu werden. Dieser Satz fehlt in der neuen Fassung. Stattdessen heißt es nur noch, eBay könne die Erklärung jederzeit ändern, indem die neue Fassung mit Datum auf der Website veröffentlicht wird. Für die aktuelle Änderung hat eBay noch eine Mail verschickt. Ob das bei der nächsten so bleibt, sagt der Text nicht mehr zu. Händler müssen die Datenschutzerklärung künftig selbst im Blick behalten, soweit nicht die DSGVO eine Information vorschreibt.

Value Added Resource hat eBay gefragt, ob die erweiterten Formulierungen tatsächliche Änderungen in der Praxis abbilden, warum die Benachrichtigungszusage entfällt und ob US-Nutzer wirksam widersprechen können. Eine Antwort lag bei Veröffentlichung nicht vor.

Einordnung: Mehr Transparenz auf dem Papier, weniger Zusagen im Text

Die neue eBay Datenschutzerklärung ist ausführlicher als die alte. Sie benennt mehr Datenkategorien, mehr Zwecke und mehr Inhalte, die automatisiert geprüft werden. Gleichzeitig fallen drei Zusagen weg: die Information über KI-Interaktionen, der Hinweis auf das Training von Drittmodellen und die direkte Benachrichtigung bei Änderungen. Hinzu kommt eine Klausel, die Auskünfte über die Prüfsysteme begrenzt. Nach der Kritik der Bundesnetzagentur an der Begründungspraxis und den Nachfragen der Brandenburger Datenschutzaufsicht zum KI-Training ist das die Richtung, die eBay gewählt hat.

Für Onlinehändler bleiben drei Aufgaben. Erstens: den KI-Widerspruch im Konto setzen, wenn eigene Angebotsdaten nicht in das Training einfließen sollen. Zweitens: bei automatisierten Sperren oder Löschungen auf die Begründungspflicht nach dem DSA bestehen und Beschwerden dokumentieren. Drittens: die Datenschutzerklärung ab dem 26. November regelmäßig selbst prüfen, weil eBay die Mail beim nächsten Mal nicht mehr schuldet. Wer bis zum 26. November nichts tut, hat seine Angebotsdaten für das Training freigegeben.

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