Händler mit Google-Unternehmensprofil „verlieren“ einen Teil ihrer Bewertungen schon in der ersten Woche: Wie viele Google-Bewertungen gelöscht werden, hat eine neue Auswertung von 4,9 Millionen Rezensionen gemessen. Von allen neuen Bewertungen waren nach sieben Tagen 1,95 Prozent verschwunden. Ein-Stern-Bewertungen traf es fast dreimal so oft. Die Studie „Gone in 7 Days“ stammt vom Bewertungsmanagement-Anbieter Reviewflowz und der Pariser Datenberatung Cartelis. Warum Google eine Bewertung entfernt, zeigt sie nicht – sie misst nur, was fehlt.

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Google-Bewertungen gelöscht: Die ersten 7 Tage sind die Probezeit

Die Autoren beobachteten 9.048 Unternehmensprofile auf Google Maps, je zur Hälfte in den USA und in Europa, verteilt auf sieben Branchen und 41 Länder. Großbritannien fehlt in der Stichprobe. Vom 11. bis 24. August 2026 lief jeden Tag ein vollständiger Abruf aller Profile. Als gelöscht galt eine Bewertung, wenn sie in einem Abruf vorhanden war und im nächsten fehlte. Insgesamt erfassten die Forscher 4.876.933 Bewertungen und 4.590 Löschungen.

Das Zeitfenster ist kurz. Negative Bewertungen verschwinden vor allem am zweiten und dritten Tag, positive am sechsten und siebten. Bis Tag 7 fehlen 1,7 Prozent der neuen positiven und 4,7 Prozent der neuen negativen Bewertungen. Ab Tag 8 sinkt das Risiko dagegen auf rund 0,1 Prozent pro Tag. Ältere Bewertungen bleiben weitgehend stehen: In zwei Wochen gingen in den USA 0,09 Prozent verloren, in Europa 0,04 Prozent.

5,7 Prozent: Ein-Stern-Bewertungen fliegen am häufigsten raus

Von den neuen Ein-Stern-Bewertungen fehlten nach einer Woche 5,7 Prozent. Bei drei und vier Sternen lag der Wert bei etwa 1 Prozent. Ein- und Zwei-Sterne-Bewertungen machen 9 Prozent aller Bewertungen aus, aber 20 Prozent der Löschungen. Am Schnitt der Profile änderte das allerdings kaum etwas: Die Durchschnittsnote verschob sich um 0,01 Sterne.

Auch sehr gute Profile verlieren überdurchschnittlich. Unternehmen mit 85 Prozent oder mehr Fünf-Sterne-Bewertungen büßten 0,13 bis 0,14 Prozent ihres Bestands ein. Bei Profilen mit 50 bis 70 Prozent Fünf-Sterne-Anteil waren es 0,03 Prozent. Ab einer Gesamtnote von 4,8 verschwanden zudem sogar Vier-Sterne-Bewertungen neunmal häufiger.

Erstbewerter verlieren 5,6-mal häufiger ihre Rezension

Entscheidend ist auch, wer schreibt. Die erste Bewertung eines Kontos verschwand 5,6-mal häufiger als die Bewertung eines Local Guides ab Stufe 6 (Googles Stufenprogramm für aktive Rezensenten). In Zahlen: 0,10 Prozent gegenüber 0,02 Prozent.

Bei den Löschungen mit nachvollziehbarem Verfasser betraf ein Fünftel ein ganzes Konto. In diesen Fällen fehlten also alle Bewertungen eines Nutzers gleichzeitig.

Bewertungsflut an einem Tag: Risiko steigt um das 1,8-Fache

Ungewöhnliche Spitzen fallen auf. Als Spitzentag zählten die Autoren Tage mit mindestens drei positiven Bewertungen und mindestens dem Vierfachen des üblichen Tageswerts. Bewertungen von solchen Tagen verschwanden 1,8-mal häufiger. Ein ungewöhnlich voller Monat mit dem Dreifachen des Normalwerts zeigte dagegen kein erhöhtes Risiko: 1,1 Prozent gegenüber 1,9 Prozent.

Einzelne Massenlöschungen prägen das Bild. Bei spanischen Fitnessstudios gingen am 1. und 2. August 297 Ein-Stern-Bewertungen ein, bis zum 16. August waren 295 davon weg. Ein deutscher Bustour-Anbieter verlor in vier Tagen 46 Ein-Stern-Bewertungen aus den Jahren 2018 bis 2026, bei insgesamt 156 Bewertungen. Ein US-Schädlingsbekämpfer verlor 1.199 positive Bewertungen an 102 Standorten, das sind 26 Prozent aller beobachteten Löschungen. Sechs Marken mit Massenlöschungen rechneten die Autoren deshalb aus den Durchschnittswerten heraus.

Mitarbeiternamen im Text: Kein messbarer Löscheffekt

In den USA nennen 38 von 100 positiven Bewertungen eine Person, in Europa 13 von 100. Für die Auswertung erkannte das Sprachmodell GLiNER Namen in 2,7 Millionen positiven Texten. Bewertungen mit Namen verschwanden praktisch genauso oft wie andere (Faktor 1,01).

Seit April 2026 untersagt Google Unternehmen, Mitarbeitende Bewertungen anfordern zu lassen, die eine Person identifizieren. Laut Studie setzt Google diese Regel bei den Bewertungen selbst nicht durch. Betriebe, in denen mindestens jede zweite Bewertung einen Namen nennt, verloren zwar 13 von 10.000 Bewertungen, Betriebe ohne Namen nur 3. Bei gleicher Branche, Region, Größe und gleichem Bewertungstempo schrumpft der Unterschied jedoch auf den Faktor 1,26. Die Fehlerspanne reicht von 0,79 bis 2,01 und schließt damit „kein Unterschied“ ein.

Gleichzeitig wachsen diese Betriebe schneller. Sie sammeln 2,7-mal so viele Bewertungen pro Jahr, netto 105 statt 58. Von 100 neuen Bewertungen verlieren sie 13, andere Betriebe 8.

Antwort binnen zwei Tagen: Fünf-Sterne-Bewertungen bleiben öfter stehen

Antwortet der Betreiber innerhalb von zwei Tagen auf eine Fünf-Sterne-Bewertung, verschwindet sie seltener: 1,5 Prozent gegenüber 2,4 Prozent ohne Antwort. Die Autoren beziffern den Effekt auf den Faktor 0,5. Bei Ein-Stern-Bewertungen ließ sich dagegen kein Effekt messen.

USA gegen Europa: Die Branche entscheidet über die Löschquote

In den USA verschwanden bestehende Bewertungen doppelt so häufig wie in Europa. US-Gruppen mit vier bis zehn Standorten kamen auf 0,11 Prozent in zwei Wochen. Bei neuen positiven Bewertungen schwankt die Quote zudem stark nach Branche:

BrancheEuropaUSA
Handwerk und Dienste rund ums Haus3,3 %4,1 %
Gesundheit0,6 %3,4 %
Wellness und Fitness1,6 %3,0 %
Reisen und Touren1,0 %2,5 %
Automotive1,9 %1,1 %
Essen und Getränke0,7 %1,0 %
Hotellerie0,9 %0,4 %
Anteil neuer positiver Bewertungen, die innerhalb einer Woche verschwanden. Quelle: Reviewflowz × Cartelis, „Gone in 7 Days“ (2026)

Innerhalb Europas fällt Spanien auf. Dort verschwinden 2,9 Prozent der neuen Bewertungen binnen einer Woche, in den USA sind es 2,4 Prozent. Wie oft Google-Bewertungen gelöscht werden, hängt zudem stark vom einzelnen Betrieb ab. Insgesamt verloren 13 Prozent der Betriebe mindestens eine Bewertung in zwei Wochen. Ein Prozent der Betriebe stand für die Hälfte aller Löschungen. Wer in der ersten Woche betroffen war, traf es mit 33 Prozent Wahrscheinlichkeit in der zweiten erneut.

Gemeldet, gesperrt oder selbst gelöscht? Von außen nicht erkennbar

Die Studie beobachtet nur das Verschwinden. Als Ursachen kommen Meldungen, Markierungen, rechtliche Anfragen, Löschungen durch den Verfasser und Kontosperrungen durch Google infrage. Google zeigt nicht an, welche Bewertungen gemeldet oder markiert wurden. Eine Stellungnahme von Google zu den Löschungen enthält die Veröffentlichung nicht.

Die Autoren nennen auch die Grenzen ihrer Daten. Der Beobachtungszeitraum umfasst zwei Wochen im August, Saisoneffekte bildet er nicht ab. Die Ergebnisse beschreiben Zusammenhänge, keine nachgewiesenen Ursachen. Reviewflowz verkauft selbst Software für Bewertungsmanagement.

Welche der 4.590 Löschungen auf eine Meldung, eine Sperre oder den Verfasser selbst zurückgeht, weiß nur Google.

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