Das HDE-Konsumbarometer fällt im Oktober 2026 um 1,19 Punkte auf 93,51 Zähler und beendet damit die Erholung der Vormonate. Der Index liegt zudem rund drei Punkte unter dem Wert vom Oktober 2025 – und das vor dem umsatzstärksten Quartal des Jahres. Zugleich sinken die Anschaffungsneigung, die Einkommenserwartungen und die Konjunkturerwartungen der Verbraucher. Der Handelsverband Deutschland (HDE) schreibt deshalb selbst, dass sich die Erwartungen an das Weihnachtsgeschäft eintrüben. Onlinehändler sollten ihre Planung für das vierte Quartal daher an Ergebnis und Liquidität ausrichten, denn auf zusätzlichen Umsatz deutet der Index nicht hin.
Inhaltsverzeichnis
- HDE-Konsumbarometer: 1,19 Punkte Minus kippen den Trend
- Die Wirtschaft wächst, der Konsum steht: Die Lücke wird größer
- Weniger sparen, trotzdem weniger kaufen: Das Geld fließt woanders hin
- 1.600 Befragte, drei Monate Vorlauf: Was der Index wirklich misst
- Das Q4 bringt keine Rettung: Wer jetzt Umsatz kauft, verliert Ergebnis
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HDE-Konsumbarometer: 1,19 Punkte Minus kippen den Trend
Der HDE meldet in seiner Pressemitteilung vom 5. Oktober 2026 eine deutliche Verschlechterung der Konsumlaune. Wie das Handelsblatt berichtet , sinkt der Index um 1,19 Punkte auf 93,51 Zähler. Im September stand er laut Kurzbericht des Handelsblatt Research Institute (HRI) noch bei 94,70 Punkten. Im Oktober 2025 waren es nach der Datenreihe des HDE 96,52 Punkte. Der Abstand zum Vorjahr beträgt damit 3,01 Punkte. Im September lag er noch bei 1,27 Punkten, er hat sich also binnen eines Monats mehr als verdoppelt.
| Monat | HDE-Konsumbarometer (Januar 2017 = 100) |
|---|---|
| Oktober 2025 | 96,52 |
| April 2026 | 94,85 |
| Mai 2026 | 92,29 |
| Juni 2026 | 93,37 |
| Juli 2026 | 94,77 |
| August 2026 | 94,18 |
| September 2026 | 94,70 |
| Oktober 2026 | 93,51 |
Der Verlauf relativiert die Erholung des Sommers. Seit dem Jahrestief im Mai (92,29 Punkte) hatte der Index 2,41 Punkte gewonnen. Der Oktober nimmt davon jedoch rund die Hälfte zurück. Noch im September hielt das HRI einen optimistischen Blick auf das vierte Quartal für vertretbar. Einen Monat später schreibt der HDE, der Rückgang dämpfe die Hoffnung auf einen Aufschwung der Verbraucherstimmung im Schlussquartal. Über das gesamte bisherige Jahr sei die Konsumlaune schwach.
Die Wirtschaft wächst, der Konsum steht: Die Lücke wird größer
Die Gesamtwirtschaft entwickelt sich besser als die Stimmung der Haushalte. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP, die gesamte Wirtschaftsleistung) wuchs im zweiten Quartal 2026 um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Außerdem stieg der ifo-Geschäftsklimaindex im August zum vierten Mal in Folge und erreichte 88,8 Punkte. Der private Konsum legte im zweiten Quartal dagegen nur um 0,1 Prozent zu, nachdem er im ersten Quartal um 0,6 Prozent gesunken war. Die Ausfuhren stiegen im selben Zeitraum um 2,0 Prozent. Das Wachstum entsteht demnach bislang an anderer Stelle als an der Ladenkasse oder im Warenkorb.
Die Verbraucher folgen dem Optimismus der Unternehmen und der Forschungsinstitute nicht. Ihre Konjunkturerwartungen sinken laut HDE gegenüber dem Vormonat. Auch die Einkommenserwartungen verschlechtern sich spürbar, denn die Befragten rechnen mit einem geringeren verfügbaren Einkommen. Als Belastung nennt der Verband die zuletzt gestiegenen Energiepreise und die hohen Spritpreise. Zudem erwarten die Haushalte weiter eine steigende Inflationsrate, die im August bereits bei 2,9 Prozent lag. Hinzu kommt der Arbeitsmarkt: Im August zählte die Bundesagentur für Arbeit 3,061 Millionen Arbeitslose, die Quote stieg auf 6,5 Prozent. Die Reallöhne (Löhne nach Abzug der Inflation) lagen im zweiten Quartal zwar 1,5 Prozent über dem Vorjahr. Dennoch erwarten die Haushalte sinkende Einkommen. Gemessene Lage und erwartete Lage laufen somit auseinander.
Weniger sparen, trotzdem weniger kaufen: Das Geld fließt woanders hin
Der HDE nennt die Anschaffungsneigung (die Bereitschaft zu größeren Käufen) als wichtigsten Dämpfer. Ihr aktueller Wert liegt deutlich unter dem Vorjahr. Im September erreichte der Teilindikator mit 86,47 Punkten noch fast das Vorjahresniveau (minus 0,14 Punkte). Die Kaufzurückhaltung hat demnach innerhalb weniger Wochen spürbar zugenommen. Den Kurzbericht mit den Oktober-Werten der Teilindizes hat der HDE bis zum Redaktionsschluss allerdings noch nicht veröffentlicht.
Positiv wertet der Verband die Sparneigung, denn die Befragten wollen sie in den kommenden Wochen nicht weiter erhöhen. Üblicherweise spricht eine sinkende Sparneigung für mehr Konsum. Im Oktober sinkt jedoch zugleich die Anschaffungsneigung. Das Handelsblatt erklärt den Widerspruch damit, dass Verbraucher den Verlust an realer Kaufkraft ausgleichen, indem sie weniger sparen und Rücklagen auflösen. Folglich finanziert das nicht gesparte Geld vor allem laufende Ausgaben wie Energie und Kraftstoff. In zusätzliche Anschaffungen fließt es dieser Lesart zufolge kaum. Aufschiebbare Käufe reagieren auf eine solche Lage erfahrungsgemäß zuerst.
1.600 Befragte, drei Monate Vorlauf: Was der Index wirklich misst
Das Konsumbarometer beruht auf einer monatlichen Umfrage unter 1.600 Personen. Das HRI erstellt es im Auftrag des HDE und setzt den Januar 2017 als Basis mit 100 Punkten. Der Index bildet die erwartete Stimmung der kommenden drei Monate ab, das aktuelle Kaufverhalten misst er nicht. Der Oktober-Wert bezieht sich somit auf die Monate Oktober bis Dezember. Er deckt also die Black Week und das gesamte Weihnachtsgeschäft ab.
Daraus ergeben sich Grenzen für die Auslegung. Ein Stimmungsindikator ist keine Umsatzprognose, deshalb lässt sich ein Punkt Rückgang nicht in Prozent Umsatz umrechnen. Außerdem erfasst die Umfrage den gesamten privaten Konsum, einzelne Kanäle und Sortimente können abweichen. Belastbar sind dagegen zwei Größen: die Richtung und der Abstand zum Vorjahr. Beide zeigen im Oktober nach unten. Ein Aufschwung der Nachfrage im Schlussquartal lässt sich aus den Daten daher nicht ableiten.
Das Q4 bringt keine Rettung: Wer jetzt Umsatz kauft, verliert Ergebnis
Wer 2026 bisher hinter seinem Plan liegt, holt den Rückstand im vierten Quartal voraussichtlich nicht auf. Der Index liefert dafür keinen Anhaltspunkt. Zugleich steigen im Q4 die Klickpreise, weil alle Händler gleichzeitig um dieselben Käufer bieten. Zusätzlicher Umsatz entsteht in dieser Lage fast nur über Rabatte oder höhere Werbebudgets. Beides senkt jedoch den Deckungsbeitrag (Erlös minus direkt zurechenbare Kosten) je Bestellung. Rechne ihn deshalb vor der Black Week für deine wichtigsten Artikel durch – nach Werbekosten, Rabatt und Retoure.
Ebenso wichtig ist die Liquidität. Jeder Artikel, der im Dezember im Lager bleibt, bindet Geld bis weit in das neue Jahr. Plane den Wareneinkauf daher höchstens auf dem Absatz des Vorjahres. Stelle außerdem einen Liquiditätsplan bis Ende Februar auf. Im Januar treffen nämlich Retouren, Lieferantenrechnungen und die Umsatzsteuer aus dem Dezember zusammen, während die Einnahmen sinken. Der Umsatz des Q4 sagt dann wenig über den Zustand deines Unternehmens aus. Wer sich im Q4 Umsatz kauft, bezahlt ihn im Januar mit seiner Liquidität.




