Die EU-Kommission hat die Übernahme von MediaMarktSaturn durch JD.com am Dienstag unter Auflagen freigegeben. Damit liegen alle Genehmigungen für den 2,2-Milliarden-Euro-Deal vor – und der größte Händler Chinas bekommt rund 1.000 Filialen in Europa. In seinem Heimatmarkt liefert JD.com mit eigener Logistik innerhalb von Stunden. Wer die MediaMarkt-Filialen als Auslieferungslager denkt, versteht, was auf Amazon, Kaufland und Otto zukommt.

Fasse den Artikel im Bullet-Stil zusammen.

Zehn Jahre Auflagen: Was Brüssel JD.com abgerungen hat

Die Kommission hat den Deal nicht nach dem Kartellrecht geprüft, sondern nach der Verordnung über drittstaatliche Subventionen (FSR – Foreign Subsidies Regulation). Dabei stellte sie fest, dass JD.com in China Vorzugsfinanzierungen, Steueranreize und staatliche Zuschüsse erhält, wie die Nachrichtenagentur dts berichtet. Diese Mittel hätten JD.com erlaubt, MediaMarktSaturn mit extrem günstiger Logistik und Technik zu versorgen – und so den Wettbewerb im Binnenmarkt zu verzerren.

Um ein Veto abzuwenden, hat JD.com Zusagen gemacht, die zehn Jahre gelten. Ein unabhängiger Treuhänder überwacht die Einhaltung:

  • Alle konzerninternen Transaktionen zwischen JD.com und Ceconomy laufen zu Marktbedingungen.
  • Lager- und Logistikdienste von JD.com stehen anderen Einzelhändlern zu denselben Konditionen offen wie Ceconomy.
  • Dasselbe gilt für Technologiedienstleistungen von JD.com.

„Verbraucher profitieren von Wettbewerb im Einzelhandel und im elektronischen Handel und gleichen Wettbewerbsbedingungen für Unternehmen“, sagte EU-Kommissionsvizepräsidentin Teresa Ribera. Die Prüfung lief seit Mai 2026. Im August hatte JD.com erste Zusagen angeboten und sie nach Rückmeldungen aus dem Markt nachgebessert, wie die Berliner Zeitung schreibt. Deutschland hatte den Deal bereits Ende Juni unter Auflagen freigegeben, das Bundeskartellamt schon im September 2025.

2,2 Milliarden Euro, 85 Prozent, Delisting: Der Deal in Zahlen

JD.com bot den Ceconomy-Aktionären 4,60 Euro je Aktie in bar, insgesamt rund 2,2 Milliarden Euro. Nach Ablauf der Annahmefristen hält JD.com zusammen mit der Kellerhals-Holding Convergenta 85,2 Prozent an Ceconomy. Laut Ceconomy liegen jetzt alle erforderlichen Freigaben vor, der Abschluss ist für das zweite Halbjahr 2026 geplant. Die Angebotsfrist wäre am 10. November ausgelaufen – Ceconomy-Chef Remko Rijnders hatte vor wenigen Tagen noch gewarnt, dass der Deal ohne Freigabe bis dahin platzt.

Nach dem Vollzug soll Ceconomy von der Börse genommen werden. Operativ hat sich JD.com zu Schonfristen verpflichtet: fünf Jahre keine Änderung der Organisationsstruktur, drei Jahre keine betriebsbedingten Kündigungen und keine Schließung wesentlicher Standorte, die Marken MediaMarkt, MediaWorld und Saturn bleiben fünf Jahre eigenständig. Ceconomy betreibt rund 1.000 Filialen in Europa mit etwa 50.000 Beschäftigten und setzte zuletzt 22,4 Milliarden Euro im Jahr um.

1.000 Filialen als Lager: So liefert JD.com in China – und bald hier

JD.com unterscheidet sich von Temu, Shein und AliExpress in einem Punkt: Der Konzern betreibt die Logistik komplett selbst – eigene Lager, eigene Zusteller, eigene Paketstationen. In China ist Lieferung am selben Tag Standard. Dieses Modell hat JD.com im März 2026 nach Europa kopiert: Der Marktplatz Joybuy startete in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, den Niederlanden, Belgien und Luxemburg, wie CNBC berichtet. Dahinter stehen mehr als 60 Lager und Depots, über 49.000 Paketstationen und der eigene Zustelldienst JoyExpress. Wer vor 11 Uhr bestellt, bekommt die Ware noch am selben Tag. Das Abo JoyPlus kostet 3,99 Euro im Monat – ein direkter Angriff auf Amazon Prime.

Folgt JD.com seiner bisherigen Strategie, wird jede MediaMarkt- und Saturn-Filiale zum regionalen Auslieferungslager. Rund 1.000 Standorte in Innenstädten und Gewerbegebieten, die heute schon Ware vorhalten und zum Teil aus der Filiale versenden, werden an das JD-Logistiknetz angeschlossen. Von dort erreicht JD.com Kunden in kürzester Zeit – schneller, als Amazon es mit seinen Verteilzentren am Stadtrand kann. Die EU-Auflagen verhindern das nicht. Sie verlangen nur, dass JD.com diese Logistik auch anderen Händlern zu gleichen Bedingungen anbietet.

Händlerware in der MediaMarkt-Filiale: Der Hebel gegen Amazon

MediaMarkt betreibt seit 2021 einen eigenen Marktplatz für Drittanbieter. Lagern künftig auch Händlerartikel in den Filialen und werden über JoyExpress ausgeliefert, entsteht ein Angebot, das Amazon FBA (Fulfillment by Amazon, also Lagerung und Versand durch die Plattform) in der Geschwindigkeit schlägt: Same-Day aus der Filiale um die Ecke statt Next-Day aus dem Logistikzentrum. Das kann ein Gamechanger werden – und eine echte Gefahr für Amazon.

Ein Detail der EU-Entscheidung spielt dir dabei in die Karten. JD.com muss seine Lager-, Logistik- und Technologiedienste zehn Jahre lang anderen Einzelhändlern zu denselben Konditionen anbieten wie Ceconomy. Als Onlinehändler bekommst du damit Zugang zu einer Logistik, die auf Stundenlieferung ausgelegt ist – ohne von Amazon abhängig zu sein. Das Joybuy-Händlerprogramm ist allerdings noch nicht im großen Stil geöffnet; Joybuy verkauft bislang überwiegend eigene Ware.

Kaufland, Otto und Co. müssen sich umschauen – eBay nicht

Meine Einschätzung: Kaufland und Otto treffen auf einen Wettbewerber, der Marktplatz, eigene Ware, eigene Logistik und ein stationäres Netz in einer Hand hält. Beide Plattformen verkaufen Elektronik und Haushaltsgeräte als Kernsortiment – also das, was JD.com mit MediaMarktSaturn jetzt in 1.000 Filialen vorhält. Auf Lieferzeit und Preis werden sie sich neu aufstellen müssen.

eBay hat sich mit seiner Fokussierung auf Recommerce (gebrauchte und generalüberholte Ware) und eBay Live etwas aus der Schusslinie gebracht. Gebrauchtware und Live-Shopping sind Felder, die JD.com mit Neuware-Logistik nicht angreift. Eine Einschränkung bleibt: JD.com ist in Europa schon zweimal gescheitert, mit Joybuy von 2015 bis 2021 und mit Ochama ab 2022. Diesmal hat der Konzern allerdings 1.000 Filialen, 60 Lager und die EU-Freigabe in der Hand.

Was du als Onlinehändler jetzt konkret tun solltest

  • Joybuy-Händlerprogramm beobachten: Sobald die Öffnung für Drittanbieter kommt, zählt der frühe Einstieg – wie bei jedem neuen Marktplatz.
  • MediaMarkt-Marktplatz prüfen: Wer dort schon listet, sitzt in der ersten Reihe, wenn Filial-Fulfillment für Händlerware kommt.
  • EU-Zusage nutzen: JD-Logistik und -Technologie müssen dir zu Ceconomy-Konditionen offenstehen. Das ist ein Verhandlungsargument gegenüber deinem heutigen Logistiker.
  • Lieferzeit-Benchmark anpassen: Same-Day aus der Filiale wird in Elektronik und Haushalt zum Maßstab. Prüfe, was dein Fulfillment dagegen leisten kann.

Amazon hat 20 Jahre gebraucht, um Next-Day zum Standard zu machen. JD.com bringt Same-Day mit 1.000 fertigen Lagern mit – und die EU hat gerade den Schlüssel übergeben.

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