PAYBACK Produkte heißt der neue Marktplatz in der PAYBACK App, und er öffnet Onlinehändlern den Zugang zu 18 Millionen aktiven App-Nutzern. Die Beta läuft seit dem 23. September 2026. Ein Wortfilter-Test zeigt jedoch Mängel im Bestellprozess: Der Checkout übernimmt keine Adressdaten, und etliche Verbraucherbelehrungen fehlen. Zudem stellt der Marktplatz weder das Gewährleistungslabel noch das Garantielabel bereit, die das EU-Recht seit dem 27. September 2026 vorsieht. Wer dort verkauft, zahlt 39,95 € im Monat und trägt nach bisheriger Rechtsprechung das Abmahnrisiko selbst.
Inhaltsverzeichnis
- PAYBACK Produkte: 35 Millionen Kunden, aber nur in der App
- 39,95 € plus bis zu 16 Prozent: Das kostet der Zugang
- Wortfilter-Test: Im Checkout fehlen Pflichtangaben
- Gewährleistungslabel fehlt – seit 27. September Pflicht
- Trotzdem auf PAYBACK Produkte verkaufen? So läuft die Anmeldung
- Die Reichweite gehört PAYBACK, das Risiko dem Händler
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PAYBACK Produkte: 35 Millionen Kunden, aber nur in der App
PAYBACK hat den Marktplatz am 23. September 2026 per Pressemitteilung angekündigt. Das Bonusprogramm zählt nach eigenen Angaben mehr als 35 Millionen Kunden, davon 18 Millionen aktive App-Nutzer. Daneben besteht der bisherige E-Commerce-Bereich mit über 700 Partnern weiter. Neu ist, dass die App den Kauf selbst abwickelt: Suche, Bezahlung und Bestellbestätigung bleiben in einer Anwendung. Anschließend schreibt PAYBACK die Punkte automatisch gut.
Das Angebot läuft als frühe Beta. Zum Start umfasst es Elektronik, Wohnen, Heim & Garten, Mode und Sport. Technisch setzt PAYBACK auf Mirakl (Software für Betreiber von Marktplätzen). Sichtbar ist PAYBACK Produkte ausschließlich in der App unter „Services“. Eine Web-Version gibt es nicht. Deshalb finden Käufer die Angebote über eine Websuche nicht. Die Reichweite hängt somit an der App und an den Coupon-Aktionen von PAYBACK.
39,95 € plus bis zu 16 Prozent: Das kostet der Zugang
Die Konditionen nennt PAYBACK auf der Seller-Seite . Die Grundgebühr beträgt 39,95 € pro Monat. Hinzu kommt eine Provision von 7 bis 16 Prozent, abhängig von der Kategorie. Die PAYBACK Punkte der Käufer kosten Seller laut Anbieter nichts zusätzlich. Preis, Sortiment, Lagerbestand und Content steuert der Händler selbst.
Die Anbindung läuft über Mirakl, eine API oder Aggregatoren (Middleware, die Produktdaten und Bestellungen zwischen Warenwirtschaft und Marktplatz überträgt). PAYBACK nennt hier ChannelEngine, Com Create, JTL, ShopVibes und Tradebyte. Zugelassen sind Seller mit Firmensitz in Deutschland. Außerdem fragt das Formular ein Lager in der EU, eine deutsche Umsatzsteuer-ID, eine Retourenabwicklung in der EU und einen deutschsprachigen Kundenservice ab.
Wortfilter-Test: Im Checkout fehlen Pflichtangaben
Wortfilter hat den Kaufprozess von PAYBACK Produkte in der App getestet. Der Einkauf überzeugt dabei nicht. Erstens übernimmt der Checkout die Adressdaten nicht, Käufer geben ihre Anschrift also neu ein. Zweitens verlangte die App im Test zwingend eine Telefonnummer. Bei Speditionsware lässt sich das mit der Avisierung (Terminabsprache zur Lieferung) begründen. Bei Paketware ist ein solches Pflichtfeld dagegen datenschutzrechtlich umstritten, denn Art. 5 Abs. 1 lit. c DSGVO verlangt Datenminimierung (Beschränkung auf die für den Zweck nötigen Daten).
Drittens fehlen etliche Verbraucherbelehrungen. Dazu zählen im Fernabsatz die Pflichtinformationen nach Art. 246a EGBGB, die Käufern vor Vertragsschluss vorliegen müssen. Allerdings bildet der Test nur einen Stand der Beta ab. PAYBACK kündigt an, Sortiment, Verkäuferzahl und Funktionen in den kommenden Monaten zu erweitern. Ob das die Lücken schließt, ist offen.
Gewährleistungslabel fehlt – seit 27. September Pflicht
Seit dem 27. September 2026 gilt in der EU eine neue Informationspflicht. Händler zeigen Verbrauchern vor dem Kauf die harmonisierte Mitteilung zum gesetzlichen Gewährleistungsrecht (Gewährleistungslabel). Gibt ein Hersteller zudem eine kostenlose Haltbarkeitsgarantie von mehr als zwei Jahren, kommt die harmonisierte Kennzeichnung hinzu (Garantielabel). Grundlage ist die Richtlinie (EU) 2024/825, kurz EmpCo. Die Gestaltung regelt die Durchführungsverordnung (EU) 2025/1960 . Im Onlinehandel schreibt sie die farbige Darstellung vor.
PAYBACK Produkte stellt im Wortfilter-Test beide Label nicht bereit. Dabei lag der Start des Marktplatzes nur vier Tage vor dem Stichtag. Solange die Oberfläche die Label nicht vorsieht, können Seller die Lücke kaum selbst schließen. Folglich geht jedes Angebot an Verbraucher ohne die vorgeschriebene Mitteilung online.
Trotzdem auf PAYBACK Produkte verkaufen? So läuft die Anmeldung
Wer trotz der Mängel auf PAYBACK Produkte verkaufen möchte, stellt eine Anfrage über das Seller-Formular . Danach prüft PAYBACK die Angaben und meldet sich zu einem ersten Gespräch. Passt das Sortiment, folgt ein Registrierungslink für das Onboarding. Das Formular fragt unter anderem Kategorien, die Anzahl der SKUs (Artikelnummern je Variante), die Onlineshop-URL, weitere Marktplätze und Mirakl-Erfahrung ab.
Vor dem Start lohnt zunächst ein eigener Testkauf in der App. Prüfe dabei, ob dein Angebot Gewährleistungslabel, Widerrufsbelehrung und Impressum zeigt. Dokumentiere außerdem den Bestellprozess mit Screenshots. So belegst du später, welche Angaben der Marktplatz zum Zeitpunkt des Verkaufs angezeigt hat.
Die Reichweite gehört PAYBACK, das Risiko dem Händler
Auf Marktplätzen dieses Modells schließt in der Regel der Händler den Kaufvertrag mit dem Käufer. Er haftet daher für die Informationspflichten. Der Bundesgerichtshof hat 2016 entschieden, dass Händler für wettbewerbswidrige Angaben in ihren Marktplatzangeboten einstehen, auch wenn sie die Angabe nicht selbst gesetzt haben (Urteil vom 3. März 2016, Az. I ZR 110/15). Fehlende Label und Belehrungen können demnach zum Abmahnrisiko für den Seller werden.
Dem steht die Reichweite gegenüber. 18 Millionen aktive App-Nutzer und ein Punktesystem, das Käufer bindet, sprechen für den Kanal. Gleichzeitig fehlen Erfahrungswerte zu Conversion und Retourenquote, weil der Marktplatz erst wenige Tage läuft. PAYBACK wirbt mit einem „Pioniervorteil“ für frühe Seller. Belegen lässt sich dieser Vorteil derzeit nicht. Bis PAYBACK nachbessert, zahlst du 39,95 € im Monat für einen Kanal, dessen Rechtslücken auf deine Rechnung gehen.




