Janosch ist tot – und mit ihm stirbt der Mann, dessen Tigerente seit 1978 auf Tassen, Socken, Schnullern und Plüschtieren klebt. Tigerente Merchandise wird in den nächsten Wochen gefragt sein wie seit Jahren nicht, denn der Tod eines Schöpfers löst bei Fans und Eltern regelmäßig eine Kaufwelle aus. Der Kinderbuchautor und Illustrator, bürgerlich Horst Eckert, starb am Dienstag, 3. November 2026, im Alter von 95 Jahren auf Teneriffa, wie der WDR berichtet . Für Onlinehändler ist das ein Sortimentsthema mit rechtlichem Haken. Die Tigerente gehört einer börsennotierten AG, und die passt sehr genau auf, wer mit ihr Geld verdient.
Inhaltsverzeichnis
- 95 Jahre, 150 Bücher, 40 Sprachen – wer da gestorben ist
- Die Tigerente gehört einer Berliner AG – Janosch hielt keine Aktie
- Trauer kauft: Warum jetzt bestellt wird, was jahrelang im Regal lag
- Abmahnfalle Tigerente: Was du jetzt verkaufen darfst – und was nicht
- 70 Jahre Schutz: Die Tigerente wird nie gemeinfrei – für dich heißt das
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95 Jahre, 150 Bücher, 40 Sprachen – wer da gestorben ist
Janosch wurde am 11. März 1931 als Horst Eckert im oberschlesischen Hindenburg geboren, dem heutigen Zabrze in Polen. Sein Verleger Bernhard Feil aus Tübingen teilte den Tod im Auftrag der Witwe Ines Eckert der Deutschen Presse-Agentur mit. Janosch starb nach Angaben des Verlegers friedlich. Seit 1980 lebte er zurückgezogen auf Teneriffa, zuletzt in einer Hängematte, wie er selbst gerne erzählte.
Sein Werk umfasst mehr als 150 Bücher, übersetzt in 30 bis 40 Sprachen. Der Durchbruch kam 1978 mit „Oh, wie schön ist Panama“, dafür gab es 1979 den Deutschen Jugendliteraturpreis. In dem Buch taucht die Tigerente zum ersten Mal auf: eine hölzerne Ente auf Rollen, gelb-schwarz gestreift, die der kleine Tiger an einer Schnur hinter sich herzieht. Sie sagt in keinem Buch ein Wort. Seit Januar 1996 ist sie außerdem Namensgeberin des „Tigerenten Clubs“ im SWR, die Sendung feierte im Januar 2026 ihr 30-jähriges Jubiläum.
Die Tigerente gehört einer Berliner AG – Janosch hielt keine Aktie
Wer Tigerente Merchandise verkaufen will, muss wissen, wem die Figur gehört. Die Urheber- und Vermarktungsrechte liegen bei der Janosch film & medien AG in Berlin, gegründet 2001 und an der Börse notiert. Janosch selbst hielt zuletzt keine Anteile mehr daran. 2006 übernahm die Münchner VEM Aktienbank rund 70 Prozent des Kapitals. Das Geschäftsmodell der AG: Rechtehandel, Filmlizenzen und Merchandising mit Tiger, Bär, Tigerente und Günter Kastenfrosch.
Das operative Lizenzgeschäft läuft über die Bavaria Media GmbH, die Lizenznehmer für Spielwaren, Textilien, Geschirr oder Teppiche betreut – erkennbar am Aufdruck „© Janosch, licensed by Bavaria Media GmbH“. Plüschfiguren etwa produziert Heunec unter Lizenz, die Bücher erscheinen bei Beltz & Gelberg. Janosch hielt von dem Rummel wenig. „Ich habe nichts damit zu tun“, sagte er der dpa, das sei „eine andere Baustelle“. Die AG dagegen nennt die Tigerente „Marke und Kultfigur zugleich“ – und meint das juristisch ernst.
Trauer kauft: Warum jetzt bestellt wird, was jahrelang im Regal lag
Der Mechanismus ist aus dem Handel bekannt: Stirbt ein Künstler, schnellen die Verkäufe seiner Werke und seines Merchandise nach oben. Bei Janosch trifft das auf eine Zielgruppe, die drei Generationen umfasst. Großeltern, die 1978 „Panama“ vorgelesen bekamen, Eltern, die mit dem Tigerenten Club aufgewachsen sind, und Kinder, die heute die Plüschente im Bett haben. Alle drei Gruppen erreichen in dieser Woche Nachrufe in jedem Medium, von der Tagesschau bis TikTok.
Dazu kommt das Timing. Der Tod fällt in die heiße Phase des Weihnachtsgeschäfts. Wer jetzt Bilderbücher, Plüschtiere, Kindergeschirr, Puzzles oder Wandkalender mit der Tigerente im Sortiment hat, sollte Bestände prüfen und Nachbestellungen auslösen, bevor die Lizenznehmer ausverkauft sind. Auf eBay listen Privatverkäufer bereits Sammlerobjekte: alte Holz-Tigerenten, Stickbilder, Erstausgaben. Gebrauchtware darfst du ohne Lizenz handeln, denn das Urheberrecht erschöpft sich beim ersten Verkauf eines legal hergestellten Exemplars (Erschöpfungsgrundsatz, § 17 Abs. 2 UrhG).
Abmahnfalle Tigerente: Was du jetzt verkaufen darfst – und was nicht
Hier wird es für Onlinehändler gefährlich. Die Tigerente ist urheberrechtlich geschützt und als Marke eingetragen. Wer eigene Produkte mit dem Motiv bedruckt – T-Shirts, Tassen, Sticker, Print-on-Demand-Artikel – oder Ware aus Fernost ohne Lizenznachweis importiert, verletzt diese Rechte. Die Folge sind Abmahnungen mit Unterlassungserklärung, Schadensersatz nach Lizenzanalogie (du zahlst nachträglich, was eine Lizenz gekostet hätte) und Anwaltskosten im vierstelligen Bereich. Rechteinhaber großer Kinderfiguren arbeiten mit Monitoring-Dienstleistern, die Marktplätze automatisiert nach Verstößen durchsuchen.
Besonders heikel sind Amazon und eBay. Beide Plattformen betreiben Programme zum Markenschutz (Amazon Brand Registry, eBay VeRO), über die Rechteinhaber Angebote mit einem Klick löschen lassen können. Mehrere Treffer führen zur Sperrung des Verkäuferkontos – mitten im Weihnachtsgeschäft. Prüfe deshalb bei jedem Tigerente-Artikel, ob er von einem offiziellen Lizenznehmer stammt, und verlange vom Lieferanten den Nachweis. Fan-Art, „Hommage“-Designs oder abgewandelte Streifenenten schützen dich nicht, solange die Figur erkennbar bleibt.
70 Jahre Schutz: Die Tigerente wird nie gemeinfrei – für dich heißt das
Mancher Händler rechnet nach Todesfällen damit, dass Figuren bald frei verwendbar werden. Bei Janosch ist das ausgeschlossen. Das Urheberrecht gilt 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers (§ 64 UrhG), die Tigerente wäre damit frühestens 2097 gemeinfrei. Die Markenrechte lassen sich unbegrenzt verlängern. Die Janosch film & medien AG wird die Rechte weiter verwerten, und ein Todesfall macht ihr Portfolio wertvoller.
Für dich heißt das: Die Nachfrage nach Tigerente Merchandise steigt, der Zugang bleibt lizenziert. Wer Originalware von Heunec, Beltz oder anderen Lizenznehmern listet, profitiert in den nächsten Wochen. Wer die Figur selbst druckt, bezahlt dafür – an die Anwälte der AG.




