Amazon beziffert seine Investitionen in Deutschland seit 2010 auf über 100 Milliarden Euro. Allein 2025 waren es laut Konzern 15 Milliarden Euro. Dabei kommt der Zeitpunkt nicht zufällig: Am 19. und 20. Oktober 2026 lädt die Bundesregierung zum „Invest in Germany Summit“ nach Berlin, und dort will Amazon weitere Zusagen vorstellen. Für Onlinehändler enthält die Mitteilung vor allem drei Angaben: 3.000 neue Logistikstellen, zwei neue Logistikzentren in Zweibrücken und Könnern sowie ein FBA-Volumen (Versand durch Amazon), das 2025 um knapp zehn Prozent wuchs. Außerdem nennt Amazon erstmals eine Umsatzzahl für deutsche KMU: mehr als 20 Milliarden Euro.

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15 Milliarden Euro in einem Jahr: Wohin das Geld fließt

Grundlage dieses Artikels ist eine Unternehmensmitteilung auf aboutamazon.de vom 14. Oktober 2026. Darin nennt Amazon 15 Milliarden Euro Investitionen für 2025, also eine Milliarde mehr als 2024. Die Summe verteilt sich laut Konzern auf Infrastruktur, Technologie und Personal an über 100 Standorten. Eine Aufschlüsselung nach Logistik, Rechenzentren und Forschung liefert Amazon allerdings nicht.

Außerdem beschäftigt Amazon nach eigenen Angaben über 40.000 festangestellte Mitarbeiter in Deutschland. Davon arbeiten rund 3.000 bei der Cloud-Sparte AWS. Hinzu kommen vier Forschungs- und Entwicklungszentren. Rocco Bräuniger, Country Manager Amazon Deutschland, verweist zudem auf „Zehntausende kleine und mittlere Unternehmen“, die über den Marktplatz verkaufen. Martin Blessing, Investitionsbeauftragter des Bundeskanzlers, fordert in der Mitteilung schnellere und einfachere Investitionen in Deutschland.

3.000 neue Jobs: Zweibrücken, Könnern und fünf neue Verteilzentren

Amazon baut sein Logistiknetz weiter aus und nennt dafür über 3.000 neue Stellen. In den vergangenen Monaten eröffnete der Konzern fünf Verteilzentren: Salzgitter, Ettenheim, Kassel sowie Cottbus und Dahlewitz. Verteilzentren sind dabei die letzte Stufe vor der Zustellung. Von dort fahren die Lieferpartner die Pakete zum Kunden.

In Zweibrücken nimmt zudem bis Jahresende 2026 ein Logistikzentrum den Betrieb auf. Wortfilter berichtet seit dem Spatenstich über den Standort: zuletzt über die 1.000 besetzten Stellen und den Roboter-Einsatz und zuvor über die geplante Kapazität von 400.000 Artikeln am Tag . In Könnern (Sachsen-Anhalt) entsteht außerdem ein weiteres Logistikzentrum. Logistikzentren sind die Lager, in denen FBA-Ware liegt und kommissioniert wird.

Parallel modernisiert Amazon bestehende Standorte. Bad Hersfeld, Dortmund und Werne sollen 2027 fertig sein, Koblenz, Pforzheim und Rheinberg laufen dagegen bis 2028. Der Einstiegslohn liegt seit September 2026 bei 16,22 Euro pro Stunde. Nach zwei Jahren nennt Amazon zudem ein durchschnittliches Bruttojahresgehalt von 41.600 Euro.

20 Milliarden Euro Händlerumsatz: FBA wächst um zehn Prozent

Für Onlinehändler ist vor allem Abschnitt 4 der Mitteilung relevant. Demnach erwirtschafteten kleine und mittlere Unternehmen aus Deutschland 2025 über Amazon einen Umsatz von mehr als 20 Milliarden Euro. Davon entfielen 5,9 Milliarden Euro auf den Export. Außerdem stiegen die über FBA versendeten Einheiten dieser Verkaufspartner um knapp zehn Prozent gegenüber 2024.

Die neuen Standorte verändern die Lage für FBA-Händler. Mehr Lagerfläche in Zweibrücken und Könnern bedeutet nämlich mehr Kapazität für die Wareneinlagerung im Südwesten und in Mitteldeutschland. Allerdings nennt Amazon keine Zahlen zu Lagerkapazität, Gebühren oder Einlagerungslimits. Wie sich das auf das Weihnachtsgeschäft 2026 auswirkt, bleibt deshalb offen.

8,8 Milliarden für AWS: Die Cloud bekommt mehr Geld als die Lager

Ein großer Teil der Investitionen fließt in Rechenzentren. Von 2014 bis 2023 investierte Amazon 9,6 Milliarden Euro in die AWS-Region Frankfurt. 2024 kündigte der Konzern dann weitere 8,8 Milliarden Euro bis Ende 2026 an. Seit Januar 2026 ist zudem die AWS European Sovereign Cloud in Brandenburg verfügbar. Dafür plant Amazon 7,8 Milliarden Euro bis 2040. Diese Cloud betreiben ausschließlich Mitarbeiter mit Wohnsitz in der EU, und sie ist von anderen AWS-Regionen getrennt.

Bei der Energie nennt sich Amazon Deutschlands größten Abnehmer von CO₂-freiem Strom. Der Konzern verweist dabei auf Projekte mit über 1,3 Gigawatt Kapazität, darunter Windparks in Nord- und Ostsee. In der Zustellung fahren laut Mitteilung außerdem mehr als 4.500 Elektrofahrzeuge. Im September 2026 kamen zudem 27 E-Lkw von Mercedes-Benz hinzu. Für die Elektrifizierung des Transportnetzes nennt Amazon 400 Millionen Euro.

Was Amazon nicht sagt: Keine Prüfung, keine Definition

Alle Zahlen stammen von Amazon selbst, denn eine externe Prüfung gibt es nicht. Zudem definiert der Konzern den Begriff „Investitionen“ nicht. Er trennt also nicht zwischen Kapitalausgaben und laufenden Kosten. Der Beitrag auf aboutamazon.de trägt außerdem als ursprüngliches Datum den 21. November 2024. Am 14. Oktober 2026 wurde er aktualisiert. Die 100-Milliarden-Marke kommuniziert Amazon also seit zwei Jahren, nur die Jahreszahl für 2025 ist neu.

Der Zeitpunkt ist dabei kein Zufall. Die Mitteilung erscheint fünf Tage vor dem Investitionsgipfel mit Bundeskanzler Friedrich Merz, und dort will Amazon weitere Zusagen ankündigen. Welche Summe das wird und ob sie in Logistik oder Rechenzentren fließt, zeigt sich am 19. und 20. Oktober. Für dich als Händler zählt bis dahin vor allem eine Zahl: knapp zehn Prozent mehr FBA-Volumen in einem Jahr. Dieses Wachstum läuft über dein Amazon-Konto und damit über Amazons Gebührentabelle.

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