Ein Umsatzrückgang im Onlinehandel von fast 40 % – und an Werbung, Preisen und Sortiment hat der Händler nichts geändert. Seine App meldet dazu, die Kaufkraft sei in der ganzen EU um bis zu 46 % gefallen. Die Marktdaten zeigen jedoch etwas anderes: Der deutsche Onlinehandel wuchs im dritten Quartal um 2,9 %. Wer 40 % verliert, findet die Ursache deshalb in seiner Kategorie, seinem Kanal oder seinem Angebot. Mit eBay-Produktrecherche, Bewertungsprofil und 999er-Trick prüfst du selbst, ob deine Konkurrenz ebenfalls verliert.
Inhaltsverzeichnis
- Umsatzrückgang im Onlinehandel: Die Statistik zeigt ein Plus statt 46 % Minus
- Drogerie plus 14 %, Temu minus 35 %: Der Markt driftet auseinander
- Drei Fragen klären, wo dein Umsatz geblieben ist
- eBay zeigt dir die letzten 100 Käufe deiner Konkurrenz
- Bewertungen verraten den Trend – eBay liefert die Zahlen dazu
- Amazon verrät den Lagerbestand – mit dem 999er-Trick
- 16,7 % weniger Sichtbarkeit: Im Shop beginnt die Suche bei Google
- Der Quercheck über alle Kanäle liefert das Urteil
- Diese Tools legen fremde Verkäufe offen
- 40 % Minus erklärt keine Konjunktur
Fasse den Artikel im Bullet-Stil zusammen.
Umsatzrückgang im Onlinehandel: Die Statistik zeigt ein Plus statt 46 % Minus
Ein Onlinehändler fragt in der Wortfilter-Facebookgruppe:
„Hat hier sonst noch jemand rückgehenden Umsatz? Meine Umsätze sind zu fast 40 % eingebrochen. Und ich habe nichts an Werbung usw. geändert. Ich habe eine App, die sagt, in der ganzen EU ist die Kaufkraft rückläufig um bis zu 46 %.“
Die Daten stützen die 46 % nicht. Laut NIQ-Kaufkraftstudie steigt die Kaufkraft in Deutschland 2026 nominal um 5 % auf 31.193 Euro pro Kopf. Zudem lag das Einzelhandelsvolumen in der EU im August 1,2 % über dem Vorjahr, im Euroraum 0,8 %, wie die Cyprus Mail unter Berufung auf Eurostat berichtet. Die Zahl 46 % taucht bei NIQ zwar auf, allerdings in anderem Zusammenhang: Deutschland liegt 46 % über dem europäischen Kaufkraft-Durchschnitt, heißt es im Kaufkraft-Kompass 2026 . Ob die App diese Angabe verdreht, ist offen.
Schwach ist dagegen die Stimmung. Das NIM-Konsumklima fällt für Oktober um 3,8 Punkte auf minus 30,6 Punkte. Außerdem steigt die Sparneigung auf 21,5 Punkte. So hoch lag sie zuletzt in der Finanzkrise 2008. Als Grund nennt das Institut die hohen Energiepreise. Das NIM schränkt jedoch selbst ein: Die Indikatoren messen Stimmung, kein Kaufverhalten.
Drogerie plus 14 %, Temu minus 35 %: Der Markt driftet auseinander
Der Onlinehandel mit Waren setzte im dritten Quartal rund 18,5 Milliarden Euro um. Das sind 2,9 % mehr als im Vorjahr, meldet der bevh laut Lebensmittelpraxis . Damit liegt das Wachstum unter der Inflationsrate. Im zweiten Quartal waren es noch 5,1 %, im ersten Halbjahr 4,3 % .
| Indikator | Veränderung |
|---|---|
| Onlinehandel gesamt, 3. Quartal 2026 (bevh) | +2,9 % |
| Lebensmittel online | +9,1 % |
| Medikamente online | +15,4 % |
| Drogerieartikel online | +14,3 % |
| Temu, Shein und AliExpress | −35,5 % |
| Internet- und Versandhandel im August, real zum Vorjahr (Destatis) | +3,5 % |
| Internet- und Versandhandel im Juli, real zum Vormonat (Destatis) | −5,6 % |
Die Kategorien laufen also weit auseinander. Lebensmittel, Medikamente und Drogerie wachsen um 9 bis 15 %. Bei 2,9 % Gesamtwachstum bleibt für andere Sortimente rechnerisch wenig übrig. Welche das sind, weist die Meldung nicht aus.
Dazu kommt eine Delle im Sommer. Destatis meldet für den Internet- und Versandhandel im Juli real 5,6 % weniger Umsatz als im Vormonat, im August dann 3,7 % mehr . Wer seinen Umsatz nur mit dem Vormonat vergleicht, misst deshalb Schwankung. Den Trend zeigt erst der Vergleich mit dem Vorjahresmonat.
Drei Fragen klären, wo dein Umsatz geblieben ist
Ein Umsatzrückgang im Onlinehandel hat drei mögliche Quellen: Markt, Sichtbarkeit oder Angebot. Zuerst trennst du sie mit drei Fragen:
- Verlieren deine Wettbewerber ähnlich viel? Dann fällt die Nachfrage in deiner Kategorie.
- Verkaufen die Wettbewerber stabil, aber deine Impressionen oder Sitzungen fallen? Dann fehlt Sichtbarkeit: Ranking, Buy Box oder Google.
- Ist dein Traffic stabil, aber die Conversion fällt? Dann liegt es an Preis, Lieferzeit, Bewertungen oder einem neuen Anbieter.
Die erste Frage beantworten die Marktplätze selbst, denn eBay und Amazon legen Verkaufsdaten deiner Konkurrenz teilweise offen.
eBay zeigt dir die letzten 100 Käufe deiner Konkurrenz
Starte mit den eigenen Zahlen. Im Verkäufer-Cockpit Pro stehen unter Performance → Traffic die Impressions, Seitenaufrufe und die verkaufte Stückzahl getrennt. Fallen die Impressions, zeigt eBay deine Angebote seltener. Fällt dagegen nur die Stückzahl, kaufen die Besucher woanders.
Danach folgt die Produktrecherche (früher Terapeak) , ebenfalls im Verkäufer-Cockpit Pro. Das Tool ist kostenlos und wertet eBay-Verkäufe und Preise der letzten drei Jahre aus. Außerdem zeigt es die verkauften Angebote anderer Händler. Suche deine Hauptartikel und vergleiche Stückzahl, Durchschnittspreis und Zahl der Verkäufer mit dem Vorjahreszeitraum.
Für einzelne Angebote gibt es zusätzlich die Kaufübersicht. Die Adresse lautet ebay.de/bin/purchaseHistory?item=ARTIKELNUMMER. eBay hat den Link 2023 aus den Angeboten entfernt, wie Wortfilter
berichtet. Die Adresse funktioniert aber weiter, auch auf ebay.de (Stand: 12. Oktober 2026). Die Seite listet die letzten 100 Käufe mit Preis, Stückzahl und Zeitstempel.
Ein Beispiel vom 12. Oktober: Ein Angebot für Bremsscheiben kam auf 30 Käufe vom 10. bis 31. August, 54 im September und 16 vom 1. bis 11. Oktober. Das sind 1,4, 1,8 und 1,5 Käufe pro Tag. Dieses Angebot zeigt also keinen Einbruch. Allerdings reicht die Liste bei Schnelldrehern nur wenige Tage zurück. Den Vorjahresvergleich liefert dann die Produktrecherche.
Bewertungen verraten den Trend – eBay liefert die Zahlen dazu
Auch das Bewertungsprofil taugt als Indiz. eBay weist dort die erhaltenen Bewertungen für 1, 6 und 12 Monate aus. Die Adresse lautet ebay.de/fdbk/feedback_profile/NUTZERNAME. Teile den 6-Monats-Wert durch sechs und vergleiche das Ergebnis mit dem letzten Monat.
Ein Beispiel vom 12. Oktober: Ein Autoteile-Händler erhielt 4.888 positive Bewertungen im letzten Monat, 33.139 in sechs Monaten und 65.312 in zwölf Monaten. Das ergibt im Halbjahr 5.523 pro Monat. Der letzte Monat liegt damit gut 11 % darunter.
Zusätzlich lässt sich das Profil nach Angebotstitel oder Artikelnummer durchsuchen. So siehst du, welche Artikel eines Wettbewerbers Bewertungen bekommen. Die Werte zeigen den Trend, keine Stückzahlen.
Amazon verrät den Lagerbestand – mit dem 999er-Trick
Bei Amazon beginnst du in Seller Central unter Statistiken. Dort stehen je ASIN die Sitzungen und der Anteil der Einheiten pro Sitzung , Amazons Conversion-Rate. Dazu kommt der Buy-Box-Anteil. Sinkt er, verkauft entweder ein weiterer Anbieter am selben Listing, oder Amazon unterdrückt die Buy Box, erklärt Ad Badger .
Die Nachfrage der Kategorie zeigt der Product Opportunity Explorer in Seller Central unter Wachstum. Er nennt je Nische das Suchvolumen für 90 und 360 Tage, dessen Veränderung und die verkauften Einheiten, erklärt Amalytix . Fällt das Suchvolumen deiner Nische, fällt die Nachfrage.
Für einzelne Artikel hilft der 999er-Trick :
- Lege das Angebot des Wettbewerbers in den Warenkorb.
- Ändere die Menge auf 999.
- Amazon meldet dann, wie viele Stück dieser Verkäufer vorrätig hat.
- Notiere den Wert 7 bis 14 Tage lang täglich zur gleichen Uhrzeit.
Die Differenz zwischen zwei Tagen ist der Abverkauf. Springt der Bestand dagegen nach oben, kam Ware nach. Laut RepricerExpress funktioniert der Trick nur bei FBA-Angeboten.
Der Trick hat außerdem zwei Grenzen. Setzt Amazon die Menge ohne Hinweis auf einen kleinen Wert, greift eine Bestellmengengrenze des Händlers, schreibt SmartScout . Zudem misst der Trick erst ab heute. Den Rückblick liefert der Verlauf des Bestseller-Rangs, den Tools wie Keepa aufzeichnen.
Zwei weitere Indizien liefert Amazon selbst. Erstens zeigt Amazon bei vielen Produkten an, wie oft sie im letzten Monat gekauft wurden. Die Angabe erscheint ab 50 Verkäufen und in Stufen wie 50+, 200+ oder 1.000+, ergab eine Auswertung der Agentur PMG von 2023. Amazons Support nennt sie laut einem Händler im Seller-Forum eine grobe Schätzung. Zweitens weist das Verkäuferprofil das Feedback für 30, 90 und 365 Tage aus. Die Bewertungsquote ist allerdings niedrig: Je nach Quelle bewerten 5 % oder 10 bis 20 % der Käufer.
16,7 % weniger Sichtbarkeit: Im Shop beginnt die Suche bei Google
Im eigenen Shop gibt es keine Marktplatzdaten. Dafür siehst du jeden Schritt deiner Besucher. Zerlege den Umsatz deshalb zuerst nach Kanal: organisch, bezahlt, direkt, Newsletter. Trenne danach Besucherzahl und Conversion-Rate.
Für den organischen Traffic vergleichst du in der Google Search Console Impressionen und Klicks mit dem Vorjahr. Bleiben die Impressionen stabil, während die Klicks sinken, kann das an KI-Übersichten (AI Overviews) liegen, schreibt OnlineMarketing.de . Die Größenordnung zeigt eine Studie von LEAP und Sistrix : Die rund 2.500 umsatzstärksten deutschen Shops verloren binnen eines Jahres im Median 16,7 % Sichtbarkeit. Gleichzeitig fiel der Anteil des organischen Traffics von 42,5 auf 33,3 %.
Den Preisvergleich liefert das Google Merchant Center. Der Bericht zur Wettbewerbsfähigkeit von Preisen zeigt, was andere Händler für dieselben Produkte verlangen. Der Bestsellerbericht nennt außerdem die meistverkauften Produkte und Marken je Kategorie. Google Trends zeigt zusätzlich das Suchinteresse deiner Kategorie über mehrere Jahre.
Der Quercheck über alle Kanäle liefert das Urteil
Prüfe zum Schluss dieselben fünf bis zehn Artikel auf allen Kanälen. Das gilt auch für Kanäle, auf denen du nicht verkaufst. Denn erst der Vergleich trennt die Kategorie vom Kanal:
- Fallen eBay-Abverkauf, Amazon-Rang und Google-Suchinteresse gleichzeitig, schrumpft die Kategorie.
- Fällt nur ein Kanal, liegt die Ursache dort: Ranking, Gebühren, Werbung oder ein neuer Anbieter.
- Fällt nur dein Angebot, während die Konkurrenz stabil verkauft, liegt es an Preis, Lieferzeit oder Listing.
Diese Tools legen fremde Verkäufe offen
| Kanal | Tool | Liefert |
|---|---|---|
| eBay | Produktrecherche, Kaufübersicht, Bewertungsprofil | Verkaufsdaten von eBay, kostenlos |
| eBay | ZIK Analytics, Algopix | Wettbewerber- und Shopanalyse, kostenpflichtig |
| Amazon | Statistiken, Product Opportunity Explorer | Amazons eigene Daten |
| Amazon | Helium 10 (Xray), Jungle Scout, AMZScout | Absatzschätzungen je Produkt |
| Amazon | Keepa | Verlauf von Preis und Bestseller-Rang |
| Shop | Search Console, Merchant Center, Google Trends | Sichtbarkeit, Preise, Nachfrage |
| Shop | Sistrix, Similarweb | Sichtbarkeit und Traffic von Wettbewerbern |
Die Amazon-Tools schätzen den Absatz aus Bestseller-Rang und Kategorie . Auf kleineren Marktplätzen außerhalb der USA schwankt die Genauigkeit, schreibt eDesk . Angaben zur Trefferquote stammen zudem oft von den Anbietern: Helium 10 bescheinigt sich selbst 89,59 % Genauigkeit und dem Konkurrenten Jungle Scout 60 %.
40 % Minus erklärt keine Konjunktur
Der Markt wächst um 2,9 %, das Konsumklima fällt auf minus 30,6 Punkte. Zwischen beiden Werten liegt kein Einbruch von 40 %. Ein Umsatzrückgang im Onlinehandel in dieser Höhe hat deshalb seine Ursache in der Kategorie, im Kanal oder im eigenen Angebot. Welche es ist, zeigen Kaufübersicht, Bewertungsprofil und 999er-Trick. Die Antwort steht in den Verkaufsdaten deiner Konkurrenz – und die liegen offen.




