Morgen ist es so weit: Garantie- und Gewährleistungslabel müssen nach EU-Verordnung stimmen. Ansonsten drohen Abmahnungen, die Löschung von Listings oder eine Ordnungswidrigkeit. Jetzt kann zu Recht über Sinn und Unsinn der Regulierung gestritten werden. Und da gibt es eine Menge Argumente, welche die Politik nicht gehört und die Verbände und Lobbyisten der Plattformen nicht vorgebracht haben. Aber das ist ein anderes Thema.

Fasse den Artikel im Bullet-Stil zusammen.

Bleiben wir bei den Problemen auf den großen Plattformen in Deutschland, also Amazon und eBay. Über sie läuft – je nach Zahlen – rund 70 % des gesamten Onlinehandels. Und gerade Amazon hat beim Garantielabel total versagt. eBay etwas weniger.

Beiden gemein sind die lausige Kommunikation und die viel zu späte Präsentation einer Händlerlösung. Von beiden Plattformen war fast im O-Ton zu hören: „Was für ein grausames Jahr, diese ganze Regulatorik, wie sollen wir das alles schaffen?“ – Wenn schon die Plattformen fast resignieren, wie sollen das dann die Händler schaffen? Fragt sich das bitte einmal jemand?

Und natürlich kommen beide Großen erst auf den letzten Drücker überhaupt mit einer Lösung um die Ecke. Das gehört verboten.

eBay kam jetzt kurz vor dem Wochenende mit einer halbgaren Lösung um die Ecke. Aber: Wer 32 Monate Garantie geben möchte oder muss, der scheitert. Und Amazon?

Amazon liefert eine Lösung, die in der Praxis ganz viele Händler in Schwierigkeiten bringen wird. Wer keine Schreibrechte für die ASIN hat, ist nicht in der Lage, das Garantielabel einzubinden. Eine Abmahnung wird nicht nur drohen, sie ist nahezu sicher.

Ein weiteres offenes Fass sind die ganzen Dienstleister drumherum. Wie schaut es denn mit den ganzen ERP-, Wawi- und PIM-Anbietern aus? Finden Händler hier eine Lösung? Wie zu erwarten, lautet die Antwort: „Nein“. Einige Systeme bieten gar nichts an, andere nur teilweise, also beispielsweise für neuere Versionen ihrer Software, aber nicht für ältere. Der Händler wird – wie fast immer – im Regen stehen gelassen.

Und wie ist denn das große Bild, der Überbau?

Um die Fehler der Politik, der Handelsverbände, der Lobbyisten und der Plattformen einmal aufzuschreiben und klar zu benennen, hier eine Detailbetrachtung. Zusammenfassend: Es wird nicht an die Praxis und an den Händleralltag gerade der kleineren KMU gedacht.

Plattformen setzen Lösungen zu spät um: Die EU muss für die Umsetzung von Lösungen eine deutlich frühere Frist für Plattformen und Serviceanbieter setzen. Händler haben einen Anspruch darauf, rechtzeitig Werkzeuge an die Hand zu bekommen, um regulatorische Anforderungen umzusetzen.

Praxistauglichkeit: Angebotene Lösungen müssen vor dem Launch auf ihre Praxistauglichkeit geprüft werden. Das muss verpflichtend sein. Denn dann wäre zum Beispiel bei der eBay-Lösung aufgefallen, dass es unmöglich ist, 32 Monate als Garantie zu hinterlegen.

An KMU zu denken, muss Pflicht werden: Bei jeder Verordnung, bei jedem Gesetz muss es zur Pflicht werden, die Auswirkungen auf den KMU-Handel zu berücksichtigen. Wenn nötig, müssen Ausnahmen oder Befreiungen verpflichtend vorgesehen werden.

Schulungen müssen Pflicht werden: Händlerverbände, Plattformen und Lösungsanbieter müssen verpflichtend Hilfestellungen, also zum Beispiel FAQs oder Hilfeseiten der EU, rechtzeitig an ihre Händlerkunden weitergeben. Wenn darüber hinaus weiterer Schulungsbedarf besteht, müssen die großen Plattformen Händlerschulungen anbieten, zum Beispiel Webinare oder andere geeignete Lösungen.

Fazit

Dass der Weg zu einem einheitlichen Binnenmarkt und zu einem europaweiten Verbraucher- und Umweltschutz kein einfacher ist, dürfte wahrscheinlich allen Akteuren klar sein. Aber es darf auf der Straße dorthin keine Gräben voller Kollateralschäden geben.

Kleine und mittlere Unternehmen sind in den meisten europäischen Volkswirtschaften das Rückgrat. Diese Unternehmen und ihre Inhaber zeichnen sich durch eine sehr große Vielfalt aus. Das muss immer, sowohl bei den politischen Akteuren als auch bei den Plattformen und Dienstleistern, Berücksichtigung finden. Händler haben einen Anspruch darauf zu verstehen was sie umsetzen müssen.

In der Realität tut es das aber nicht. Das muss sich ändern.

Melde dich zum wöchentlichen Newsletter an!