Die neuen The Platform Group Zahlen klingen nach Wachstum: 17 Prozent mehr Umsatz in neun Monaten, Prognose bestätigt. Rechnet man das dritte Quartal heraus, bleibt davon wenig übrig. Das bereinigte EBITDA (operatives Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, um Sondereffekte korrigiert) lag im Quartal auf dem Stand des Vorjahres, der Umsatz wuchs noch um sieben Prozent. Damit der Konzern von Dr. Dominik Benner sein Jahresziel von einer Milliarde Euro hält, müsste das vierte Quartal 377 Millionen Euro Umsatz bringen – fast doppelt so viel wie jedes Quartal zuvor. Für Onlinehändler, die als Partner mit TPG-Töchtern arbeiten, zählt eine andere Lücke: Von den zwei Insolvenzen im Konzern steht in der Mitteilung kein Wort. Und erst recht nicht von den Problemen bei Chronext und schuhe24

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Neun Monate plus 17 Prozent, drittes Quartal plus null

The Platform Group (TPG) meldet für die ersten neun Monate 2026 einen Nettoumsatz von 622,7 Millionen Euro, 17,1 Prozent mehr als im Vorjahr, wie der Konzern am 5. November per EQS-Mitteilung bekannt gab. Das Bruttowarenvolumen (GMV, der gesamte über die Plattformen gehandelte Warenwert) stieg um 19,4 Prozent auf 1,08 Milliarden Euro. Das bereinigte EBITDA legte um 16,4 Prozent auf 53,3 Millionen Euro zu. Das berichtete, also unbereinigte EBITDA sank dagegen um 3,2 Prozent auf 57,5 Millionen Euro. Das Konzernergebnis stieg um 6,5 Prozent auf 44,4 Millionen Euro.

Das Bild dreht sich, sobald man die Halbjahreszahlen vom August abzieht. Im ersten Halbjahr setzte TPG 421,0 Millionen Euro um. Für das dritte Quartal bleiben damit 201,7 Millionen Euro. Das sind rund sieben Prozent mehr als im dritten Quartal 2025. Im ersten Quartal hatte TPG noch 51 Prozent Wachstum gemeldet, im ersten Halbjahr 22,7 Prozent. Die Wachstumsrate hat sich innerhalb eines Jahres also von über 50 auf unter zehn Prozent abgeschwächt. Das bereinigte EBITDA des dritten Quartals liegt rechnerisch bei 12,5 Millionen Euro. Im dritten Quartal 2025 waren es ebenfalls 12,5 Millionen Euro. Ein Quartal ohne Ergebniswachstum, in der Mitteilung umschrieben als „profitables Wachstum“.

Auch die Marge gibt nach. Die Bruttomarge sank in neun Monaten von 36,7 auf 35,0 Prozent. Die sonstigen betrieblichen Erträge gingen um 26,4 Prozent auf 12,0 Millionen Euro zurück. Auffällig ist zudem die Richtung der Bereinigung: Normalerweise liegt ein bereinigtes EBITDA über dem berichteten, weil Einmalkosten herausgerechnet werden. Bei TPG ist es umgekehrt. Das bereinigte EBITDA liegt 4,2 Millionen Euro unter dem berichteten. Welche Posten bereinigt wurden, erklärt die Mitteilung nicht.

377 Millionen Euro in drei Monaten: Was die Prognose jetzt verlangt

TPG bestätigt die Prognose für 2026: 1,7 Milliarden Euro GMV, mindestens 1,0 Milliarden Euro Nettoumsatz und 70 bis 80 Millionen Euro bereinigtes EBITDA. Nach neun Monaten stehen 622,7 Millionen Euro Umsatz in den Büchern. Für das vierte Quartal bleiben also 377 Millionen Euro. Das stärkste Quartal der Firmengeschichte war das erste Quartal 2026 mit 243,1 Millionen Euro. Im vierten Quartal 2025, dem Weihnachtsquartal, lag der Umsatz bei rund 196 Millionen Euro. Das Jahresziel verlangt also ein Quartal, das den Vorjahreswert nahezu verdoppelt.

Beim GMV sieht es ähnlich aus. Nach 1,08 Milliarden Euro in neun Monaten fehlen 623 Millionen Euro zum Ziel, mehr als doppelt so viel wie im dritten Quartal (288 Millionen Euro). Beim bereinigten EBITDA müssen im Schlussquartal 16,7 bis 26,7 Millionen Euro zusammenkommen, nach 12,5 Millionen Euro im dritten Quartal. Die Mitteilung nennt als Hebel die neue Konzernstruktur, eine KI-Initiative und eine „deutliche Personalreduktion in Q3 2026″. Wie viele Stellen gestrichen wurden, steht nicht in dem Text. Die Mitarbeiterzahl zum Stichtag lag mit 1.489 sogar 4,8 Prozent über dem Vorjahr. Ein Abbau ist in den veröffentlichten Zahlen damit nicht sichtbar.

Mehr Gewinn, weniger je Aktie: Woher kommen sechs Millionen Aktien?

Das Konzernergebnis stieg um 6,5 Prozent, das Ergebnis je Aktie fiel um 16,7 Prozent von 2,03 auf 1,69 Euro. Beides passt nur zusammen, wenn die Zahl der Aktien gestiegen ist. Aus den beiden Werten ergeben sich rechnerisch rund 26,3 Millionen Aktien nach rund 20,5 Millionen im Vorjahreszeitraum. Das wären fast sechs Millionen zusätzliche Aktien, ein Plus von knapp 30 Prozent. Eine Kapitalmaßnahme in dieser Größenordnung erwähnt die Quartalsmitteilung nicht.

Die TPG-Aktie notierte im Februar 2026 bei 5,60 Euro. Anfang Juli lag der Kurs bei 0,87 Euro , ein Minus von 84 Prozent seit Jahresbeginn. Zum selben Zeitpunkt meldete TPG eine Akquisitionsfinanzierung über bis zu 80 Millionen Euro, unter anderem von einer Gesellschaft aus dem Umfeld des Hauptaktionärs. Hauptaktionär ist Benner selbst.

Zwei Insolvenzen, AEP, Nettoschulden: Was in der Mitteilung fehlt

Die Wörter Insolvenz, AEP, Anleihe und Nettofinanzverbindlichkeiten kommen in der Mitteilung nicht vor. Dabei gab es seit dem Halbjahresbericht zwei Insolvenzen im Konzern(-umfeld). Am 23. September ordnete das Amtsgericht Charlottenburg Sicherungsmaßnahmen über die Digitec Living Brands GmbH an, die Gesellschaft hinter dem Möbelshop 99rooms. Wortfilter berichtete . Ende Oktober folgte die BCR Online-Warenhandels GmbH, bis kurz zuvor noch fashionette GmbH. TPG hatte die Gesellschaft am 13. Oktober verkauft, keine drei Wochen später stellte sie Insolvenzantrag beim Amtsgericht Offenbach. Auch dazu berichtete Wortfilter . In der Quartalsmitteilung taucht keiner der beiden Vorgänge auf. TPG meldet lediglich Wachstum in „vier von fünf Segmenten“. Welches Segment nicht gewachsen ist, sagt der Konzern nicht.

Offen bleibt auch die größte Übernahme der Firmengeschichte. Im Januar kündigte TPG den Kauf des Pharmagroßhändlers AEP mit rund einer Milliarde Euro Umsatz an, das Closing war für das zweite Quartal geplant. Das Bundeskartellamt gab im März frei. Im August hieß es laut Apotheke Adhoc , der Deal sei „in Umsetzung“. Die Neunmonatszahlen enthalten keinen AEP-Umsatz. Zum Stand der Übernahme schweigt die Mitteilung.

Der Verschuldungsgrad soll auf 1,7x gesunken sein. Eine absolute Nettoverschuldung nennt TPG nicht, ebenso wenig die Berechnungsbasis oder einen Vergleichswert. Zum Cashflow gibt es keine Angabe. Im Halbjahresbericht hatte TPG noch 26,8 Millionen Euro operativen Cashflow ausgewiesen. Ob das dritte Quartal Geld eingebracht oder gekostet hat, lässt sich aus der Mitteilung nicht ablesen.

Lieferant oder Partner einer TPG-Tochter? Darauf musst du jetzt achten

TPG zählt 17.873 Partner, also Händler, die über die Konzernplattformen verkaufen. Die Konzernzahlen sagen nichts darüber aus, wie zuverlässig einzelne Töchter zahlen. Die Vorfälle der letzten Monate zeigen, wo es hakt: Bei Schuhe24 berichteten Händler über ausbleibende Auszahlungen . Bei Chronext warteten Kunden monatelang auf Uhren oder Verkaufserlöse . Bei Lott Autoteile standen über 200.000 eBay-Angebote ohne lieferbare Ware online , nachdem der Zentralregulierer Aktivbank fristlos gekündigt hatte . Und bereits im Mai 2025 hatte Wortfilter gefragt , ob TPG Liquiditätsprobleme hat.

Konkret heißt das: Prüfe bei jeder TPG-Tochter, mit der du arbeitest, alles auf Herz und Nieren. Fragt Kollegen, lest in Foren, in Communitys und lest Wortfilter.

Meinung des Autors, mit einem Augenzwinkern

Ich glaube diese Zahlen nicht. Das ist keine Feststellung, sondern mein persönlicher Eindruck nach anderthalb Jahren Berichterstattung über diesen Konzern. Bewiesen ist davon nichts. Aber wenn ich mir vorstelle, wie die obigen Zahlen oder eine Prognose von 377 Millionen Euro Quartalsumsatz entsteht, dann sehe ich vor mir keinen Controller mit Tabellenkalkulation. Ich sehe einen Vorstandschef, der sich abends in Schloss Elbroich an den Schreibtisch setzt, die KI anwirft, eine Prise Feenstaub über die Tastatur streut und so lange in die Glaskugel schaut, bis die Balken im Chart die richtige Höhe haben. Das ist Satire, keine Tatsachenbehauptung. Die Zahlen, die TPG tatsächlich veröffentlicht hat, stehen oben. Jeder kann selbst nachrechnen, ob er diesen glaubt und dem Weihnachtsquartal eine Verdoppelung zutraut.

Ob die Prognose hält, entscheidet sich in den nächsten acht Wochen. Entweder liefert TPG im Weihnachtsquartal 377 Millionen Euro Umsatz, fast das Doppelte des Vorjahresquartals, oder die seit Oktober 2025 bestätigte Milliardenprognose kippt im Januar.

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